Selbst für Printshops wurden Begriffe wie „Responsive“ oder „Mobile friendly“ zum täglich Brot. Zwar kaufen immer noch verschwindend wenige Printbuyer Drucksachen via Smartphone – ganz anders als von „Experten“ schon vor Jahren auf Bühnen als sicherer Trend postuliert. Trotzdem: Mobilität ist das Thema dieser Tage. Allerhöchste Zeit für ein Bekenntnis.

Frau mit Handy am Ohr

Ein typisches Bild bei jungen Nutzern: Das Handy am Ohr und das meistens sogar viele Stunden täglich. Aktuelle Studien warnen vor möglicherweise erheblichen Gefahren, die erste langsam in der Langzeitwirkung bekannt und anerkannt werden. Bildquelle: Slideshare.


Noch vor wenigen Jahren häuften sich Berichterstattungen über die Spielsucht von Kindern – begleitet durch eine sehr lebendige Debatte. Jetzt, wo wir alle miteinander … ja, quasi ein Stück weit abhängig sind, weil wir unsere Smartphones immer seltener aus der Hand legen können oder wollen, ignorieren wir auch solche Tatsachen, die uns vielleicht aber doch interessieren sollten. Wir können die Verantwortung für unsere Gesundheit nicht wegdelegieren. Sehr wahrscheinlich setzen wir uns zusammen einer unterschätzten Gefahr aus –

einer sehr wahrscheinlichen Verstrahlung als Langzeitfolge der Smartphone-Nutzung, so ab zehn, 15 Jahren.

Die Ergebnisse unserer Recherchen haben uns überrascht, denn der Tenor sämtlicher hochoffiziellen Stellen über die Gefahr von Handystrahlung lautet in etwa: „Gefährliche Verstrahlungen sind nicht ausgeschlossen, gleichwohl noch nicht völlig gesichert und: Vor allem Kinder sollten sehr vorsichtig sein.

Dieser Tenor kommt nicht etwa von Verschwörern, sondern von Behörden wie dem Bundesamt für Strahlenschutz.

Die Tonalität erinnert an jahrelange Verlautbarungen in Bezug auf Asbest oder Tabak. Erst Mitte der 70er-Jahre formierte sich Widerstand gegen Asbest. Erst viele Jahre später führte dies mehr und mehr zur Verschärfung von Gesetzen, nachdem immer mehr Todesfälle und Erkrankungen bekannt wurden. Für Tausende Todesopfer Jahre zu spät.

Niemand soll die Lust
an seiner Mobilität verlieren

Damit das gleich geklärt wäre und bevor wir über die leider sehr reale Gefahrenlage durch Smartphone-Strahlung berichten:

Unsere Redakteure benutzen allesamt Smartphones. Keiner zeigt mit dem Finger auf andere User. Gerade auch deshalb waren wir interessiert zu klären, ob das Ganze gefährlich ist und, wenn ja, wie sehr uns das selber betrifft. Kognitive Dissonanz, ein Begriff aus der Sozialpsychologie, beschreibt einen als unangenehm empfundenen Gefühlszustand, quasi mehrere Wahrnehmungen, Einstellungen, Ansichten oder Handlungen, die nicht miteinander vereinbar sind, kurz: Wissen, dass etwas falsch ist und es dennoch tun.

Gefährliche Strahlung durch Handys und Smartphones? Aktuelle Studien bestätigen, dass sich Vielnutzer einer erheblichen Gefahr aussetzen könnten. Bildquelle GPG.


Unser ehrliches Bekenntnis, nur am Rande: Wir sind Smartphone-Abhängige! Daran lassen anerkannte Definitionen von Suchtexperten keinen Zweifel.

Sollen wir oder sollen wir nicht?

Eines noch vorab: Wer über dieses Thema schreibt, kann sich unter gleichgesinnten Power-Usern (User, die lt. Wissenschaftsdefinition über eine Stunde täglich mobil im Internet oder am Telefon kommunizieren) nur outen, obwohl dieses Coming-out eigentlich gar keins ist. In Bezug auf die digitale Sucht ist die Gesellschaft nämlich im Gegensatz zu anderen Abhängigkeiten längst kollektiv dazu übergegangen, einfach gar nicht mehr über mögliche Folgen eines Überkonsums zu sprechen. Schlichtweg tabu das Thema. Kollektiv ist es einfacher, mögliche Gefahren zu ignorieren – da sind Parallelen zu anderen „Zwängen gar nicht so sehr weit entfernt.

Vielleicht beruhigt, dass hier, gerade jetzt in diesem Augenblick, fünf Smartphones auf dem Tisch liegen. Eingeschaltet. Summend und blinkend. Smartphones sind einfach sehr praktisch!

Ach kommt, Leute, smarte Kommunikation ist nicht so gefährlich wie z. B. Trinken oder Rauchen. Wäre das so, würden wir bestimmt informiert werden von Fachleuten, der Bundesregierung, den Verantwortlichen, Experten und so“, wirft unser Webdesigner mit gewollt trotzig überzeugter Miene ein, wenn auch mit deutlichen Zweifeln im Ausdruck – geradezu Fragezeichen, die unsichtbar über seinem Kopf aufpoppen.

Wir gönnen uns eine Denkpause. Langes Schweigen.

„Vielleicht gibt es ja Warnungen und wir ignorieren sie einfach oder finden sie nicht, weil sie nicht präsent bzw. penetrant genug verbreitet werden?“, wirft eine Kollegin fragend ein. „Wie meinst du das konkret?“, wollten wir wissen. „Na ja, dieses Ding mit kognitiver Dissonanz, also im Grunde wissen, dass Gefahren bestehen, es aber trotzdem tun. So wie Raucher, die genau wissen, dass ihnen Tabak schadet, die aber trotzdem rauchen. Oder Trinker, die ignorieren, dass Alkohol eben nicht nur eine Delikatesse ist, sondern ein Nervengift, versteht ihr?“

Wir sind uns einig. Die Möglichkeit besteht, dass beim Thema der Gefahren durch Smartphone-Strahlung deutlich genug gewarnt werden könnte oder worden wäre. „Das Thema wird doch schon dadurch verharmlost, weil keine Behörde proaktiv warnt oder dafür sorgt, dass mögliche Unsicherheiten über die Medien verbreitet werden“, stellt die Kollegin fest, Mutter zweier Töchter im Alter von sieben und neun Jahren. „Ja, mag alles sein, aber vielleicht gibt es da ja auch gar nichts zu warnen?“

Warum wir so wenig
über Gefahren sprechen

Industrie- und Internetkonzerne wie Google, Facebook, Twitter, Amazon, diverse Branchensegmente sowie ganze Industriezweige hängen an dieser digitalen Mobilität. Viele Profiteure also. Die Politik vertritt ihre eigenen Interessen – nach allem, was in den Medien permanent zu lesen war, denn die großen sozialen Netzwerke sind nicht nur Bigdata-Bagger für allerhand Abnehmer aus der Wirtschaft, sondern auch für Regierungen.

Data Mining für subtile Manipulation
nicht nur im Marketing

Der „Internet-Intellektuelle“ Sascha Lobo z. B., Blogger und seit Jahren Kolumnist bei Spiegel Online, nennt diese digitalen Akten über uns „Patterns of Life Analysis“, grob zu übersetzen mit Verhaltensmuster-Analyse. Je aufdringlicher sich die Smartphones in unseren Alltag drängen, desto dichter der Datenteppich. Desto einfacher die Psychoanalysen und die daraus folgende Subtilität bei der Manipulation, die sehr viel weiter über das bekannte Behavioral Targeting hinausragt, bei dem wir von Internetbannern eines Themas verfolgt werden, für das wir uns beim Surfen interessierten.

Sascha Lobo

Sascha Lobo wurde u. a. als Kolumnist für Spiegel-Online bekannt, vor allem aber als sehr kritischer Speaker und Internetblogger. (Bild: wikipedia)


Die Vermutung liegt nahe, dass aufgrund dieser Bedeutung für Regierungen und aufgrund des gigantischen finanziellen Interesses unzähliger Branchen also kein besonders großes Interesse daran besteht, über eine infolge von Vielnutzung möglicherweise gefährliche Strahlung über Gebühr zu berichten.

Welche Studien gibt es zum
Thema und was verraten sie uns?

Fakt ist, dass die Industrie selber zahllose Studien in Auftrag gab, die nach Ansicht warnender Experten zumindest verharmlosen, wenn sie auch meistens nicht so weit gehen, Power-Usern eine vollkommene Ungefährlichkeit zu bescheinigen. Bekannt ist, dass viele Studien von der Industrie selber finanziert wurden – mit klarer Aufgabenstellung. Warum sollten im Gegensatz dazu freie Wissenschaftler ein Interesse daran hegen, auf Gefahren hinzuweisen, außer dem Ziel, die Wahrheit zutage zu fördern, fragen sich Befürworter einer besseren Aufklärung – so auch wir.

„Das bedeutet aber doch, dass wir quasi total auf uns alleine gestellt sind … ist doch so“, wirft der Volontär in der Redaktionskonferenz ein. Allgemeines Nicken und die Blicke der Kollegen verraten: Ja, eigentlich … im Grunde schon.

Fakten über Handystrahlung

Wir fassen nachfolgend eine Auswahl offizieller und anerkannter Studien und Berichte zusammen, die nur einen Teil des insgesamt recherchierten Materials widerspiegelt.

REFLEX-Studie unter Beteiligung
der EU legt Gefahren offen

Die REFLEX-Studie ist ein von der EU gefördertes Projekt zur Erforschung möglicher Schädigungen des Erbguts durch hochfrequente elektromagnetische Felder wie Handystrahlen. Die Forschungen wurden in den Jahren 2000 bis 2004 von zwölf Forschergruppen aus sieben europäischen Ländern durchgeführt. Die Ergebnisse wurden in zwei Labors außerhalb des Projektes bestätigt, während nur ein weiteres Labor die genannten Wirkungen nicht beobachten konnte:

Laut der REFLEX-Studie sollen die elektromagnetischen Strahlungen wie Handystrahlung bereits deutlich unterhalb des gesetzlichen Strahlungsmaximalwertes von 2 W/kg Schädigungen an der Struktur und Funktion der menschlichen Gene verursachen können – bereits ab 0,3 W/kg.

Typisches Verhalten von jungen Handynutzern, die sich selbst teilweise dann schon über ihre Smartphones unterhalten, wenn sie direkt nebeneinander stehen. Diese exzessive Nutzung könnte zu erheblichen gesundheitlichen Risiken führen, wie aktuelle Studien belegen. Bildquelle: flickr.


Wikipedia berichtet noch heute, Zitat: „Laut Medienberichten gilt die REFLEX-Studie hinsichtlich angeblich festgestellter Strangbrüche im Erbgut als ungültig, da Laborergebnisse offenbar bewusst gefälscht worden seien. Die bewusste Fälschung konnte von zwei unabhängigen Gremien weder belegt noch widerlegt werden: Die österreichische Agentur für wissenschaftliche Integrität stellte fest: Die Fälschungsvorwürfe konnten nicht verifiziert werden.“

Dabei berichtete diagnose-funk.org bereits seit 2015, dass ein Mitglied des REFLEX-Teams gegen Vorwürfe, die Studie weise Lücken auf, vor Gericht zog und in allen Punkten Recht bekam. Demnach wurde ein gewisser Professor Alexander Lerchl aus Bremen, der die Gefahren von Handystrahlungen wohl immer wieder in Zweifel bringen wollte, jetzt sogar gerichtlich verurteilt, diesbezüglich Behauptungen vollumfänglich zu unterlassen.

Ok, das überrascht uns.

Was ist der SAR-Wert?

Der SAR-Wert (spezifische Absorptionsrate) ist ein Maß für die Absorption von elektromagnetischen Feldern in einem Material, z. B. dem menschlichen Gehirn, in Nähe eines aktiven Smartphones bzw. Handys. Ein bedeutsamer Anstieg der DNA-Strangbrüche war laut dieser REFLEX-Studie in menschlichen Fibroblasten bereits bei einem SAR-Wert von 0,3 W/kg nachweisbar.

Bezeichnend auch: Für die Auszeichnung eines Mobiltelefons mit dem blauen Engel ist ein maximaler SAR-Wert von 0,6 W/kg erlaubt.

Die übliche Strahlungsstärke von Smartphones heutzutage beginnt bei 0,5 W/kg bis hin zum derzeit noch gültigen Grenzwert von knapp 2,0 W/kg, also der dreifachen Strahlung, die vom Blauen Engel als erträgliches absolutes Maximum gilt.

Sämtliche Hersteller sind verpflichtet, diese Grenzwerte einzuhalten und gegenüber dem Bundesamt für Strahlenschutz offenzulegen. Dabei werden derzeit auch die Angaben der Hersteller selber als Maß herangezogen, was kaum zielführend sein dürfte.

Die vom EMF-Institut Dr. Nießen geführte und auch offiziell anerkannte Liste auf der Website handywerte.de gibt aktuell und seriös Auskunft über die Strahlungsstärke von mobilen Geräten. So auch das Bundesamt für Strahlenschutz in der sogenannten SAR-Suche, einer Website, auf der sich User über die Strahlungsstärke ihrer mobilen Geräte informieren können. Als sehr gering gelten Werte bis 0,40 W/kg, als gering bis 0,60 W/kg (Grenze Blauer Engel). Mittelstark und beim Vielnutzen von Smartphones wahrscheinlich bereits ziemlich gefährlich sind Werte darüber, bis 1,00 W/kg. Als sehr stark gelten alle Werte darüber, bis eben zur gesetzlichen Grenze von 2,0 W/kg.

Viele iPhones z. B. rangieren zwischen 0,80 und knapp 1,00 W/kg Strahlung. Deutlich höhere Strahlenwerte erzeugen neuere Geräte von Apple wie das iPhone 7, mit rund 1,38 W/kg.

Offizielle Warnungen des
Bundesamtes für Strahlenschutz

Beispielsweise das Bundesamt für Strahlenschutz warnt aktuell:

„Ganz besonders wichtig ist die Minimierung der Strahlenbelastung für Kinder. Sie befinden sich noch in der Entwicklung und könnten deshalb gesundheitlich empfindlicher reagieren“,

und übergibt die Verantwortung damit an die Eltern, die hier für ihre Kinder haften. Wahrscheinlich fehlt vielen Eltern, wie auch uns bisher, ein ausreichendes Bewusstsein über die Gefahren. Das Bundesamt gibt praktische Tipps, wie Anwender die „individuelle Strahlenbelastung“ möglichst senken können, ohne dabei Panik zu verbreiten und trotzdem auf mögliche Gefahren relativ deutlich hinzuweisen. Doch wer schaut sich schon diese Website an?

Frau mit Handy am Ohr

Das Bundesamt für Strahlenschutz warnt besonders junge Nutzer vor exzessiver Handynutzung und gibt Empfehlungen, um die individuelle Strahlenbelastung möglichst gering zu halten. Eltern haften quasi für ihre Kinder, was vielen gar nicht konkret bewusst ist. Bildquelle: flickr.


Weiter heißt es:

„Für eine abschließende Beurteilung von Langzeitwirkungen ist die Technologie allerdings noch zu jung. Auch bei Wirkungen auf Kinder sind noch nicht alle Fragen abschließend beantwortet.“

Jeder Smartphone-Nutzer muss sich seinen eigenen Reim daraus machen. Das Bundesamt gibt zudem Empfehlungen zum Telefonieren mit dem Handy: „Nach dem derzeitigen wissenschaftlichen Kenntnisstand reichen die aktuellen Grenzwerte aus, um vor nachgewiesenen Gesundheitsrisiken zu schützen. 

Allerdings bestehen nach wie vor Unsicherheiten in der Risikobewertung, die durch das Deutsche Mobilfunk-Forschungsprogramm nicht vollständig beseitigt werden konnten.“ 

Klartext: Langzeitfolgen und Tumore können mit Garantie definitiv nicht ausgeschlossen werden.

Eine überraschend deutliche Warnung also, selbst und gerade vor dem Hintergrund des enormen Drucks der Industrie auf diese Behörden und damit auch auf einzelne Beamte.

Wie erwähnt: Viele Kommentatoren und Experten erinnert das Szenario an die Asbest-Debatte. Noch heute sterben jährlich 1.500 Menschen an den direkten oder den späten Folgen des Materials, das trotz der damaligen Bestreitung jeglicher Risiken durch die Industrie bis heute Hunderttausende Tote forderte.

Vollständiges Risiko von Handystrahlungen
erst in der Langzeitwirkung sichtbar

Insgesamt gilt als derzeit noch problematisch, dass es kaum Langzeitstudien gibt. Das erste iPhone kam 2007 auf den Markt, davor gab es zwar schon exzessive Handynutzer, aber in einer so flächendeckenden Form können Langzeitfolgen gerade einmal auf circa zehn bis maximal 15 Jahre überhaupt erforscht werden. Derzeit, so resümieren unabhängige Wissenschaftler weltweit, befinden wir uns in einem gigantischen biologischen Feldversuch.

Selbst Behörden wie das Bundesamt räumen ein, Langzeitwirkungen nicht abschätzen zu können.

Doch gerade diese Langzeitwirkung und Vielbenutzung sind das Maß aller Dinge, wenn über „Verstrahlung“ in diesem Zusammenhang gesprochen wird.

Es geht, so haben wir herausgefunden, nicht um die normale Nutzung der Geräte von weniger als einer oder zwei Stunden täglich, sondern um dauerhaft exzessive Anwendung, wie wir sie unbestritten gerade bei Kindern, Teenagern oder Geschäftsleuten als normalen Umgang täglich beobachten.

Teenager schlafen sogar häufig neben ihrem Handy liegend ein.

Universitätsklinikum Lund:
Nicht thermische Effekte gefährlich

Wir recherchieren weiter und suchen nach anderen Studien und Untersuchungen neben denen der EU-geförderten REFLEX-Studie. Dabei lassen wir einmal die aus unserer Sicht krassen und geradezu schockierenden, teils renommierten Studien außen vor, die wirklich richtig schlechte Laune bereiten und konzentrieren uns nur auf die offiziell anerkannten Untersuchungen, die selbst wir als eher uneinsichtige User kaum noch ignorieren können.

Sehr bekannt und anerkannt ist eine Studie des Universitätsklinikums im schwedischen Lund, die sowohl auf thermische Effekte (Wärme durch Handystrahlung) als auch nichtthermische Effekte der Handystrahlung fokussierte: Besonders umstritten, und deshalb in Lund untersucht, sind die nichtthermischen Effekte, also die vorgenannten Strahlungen. So berichtete das Magazin Spiegel, dass Forscher dort

Ratten mit handelsüblichen Handys bestrahlten. Bei der Hälfte der Tiere mit verheerenden Folgen:

Die an sich geschlossene Blut-Hirn-Schranke wurde dadurch geöffnet. Bei dem Test sickerten Albumin-Eiweiße aus den Blutgefäßen ins Hirn. Bis heute ist nicht geklärt, ob gleiche Effekte auch bei Menschen möglich wären, was jedoch als relativ wahrscheinlich gilt und sich mehr und mehr bestätigt.

Tumor durch Handystrahlung

Ein Tumor, wie er durch exzessive Handynutzung entstehen könnte, bescheinigen renommierte Wissenschaftler und offizielle, anerkannte Studien.
Besonders Nutzer, die mehr als 15 Stunden pro Monat telefonieren, könnten zur Risikogruppe zählen. Bildquelle: wikipedia.


Universität Bordeaux:
Exzessive Smartphone-Kommunikation
erhöht signifikant Risiko
von Gehirntumoren

Erste Langzeitergebnisse liegen mittlerweile vor, die wenigstens schon auf zehn Jahre zurückgreifen können und weiter unten benannte Studien wie INTERPHONE sehr aktuell bestätigen. Die Wissenschaftler um Dr. Gaëlle Coureau und Dr. Isabelle Baldi, von der renommierten Université Bordeaux Segalen, legten 2014 das Ergebnis ihrer Langzeitstudie vor. Auch hier keine Entwarnung.

Die Wissenschaftlerinnen untersuchten die Zusammenhänge elektromagnetischer Wellen mit Tumoren und Gliomen im Hirn. Dazu wurden 500 betroffene Personen mit Tumoren gründlich untersucht und zudem befragt. Die Wissenschaftler konnten einen statistisch klar belegbaren Nachweis erbringen, der einen Zusammenhang zwischen Mobilfunkstrahlung und Krebs offenlegt – besonders wiederum bei Vielnutzern, also ab einer Stunde täglich und mehr, was auf viele User zutreffen dürfte.

Vielnutzer (Power-User):
mehr als 15 Stunden pro Monat

Als Vielnutzer gelten nach Definition der renommierten Wissenschaftlerinnen Menschen, die bisher über fünf Nutzungsjahre mehr als 900 Stunden telefoniert haben, bzw. solche Nutzer, die ihre smarten Telefone mehr als 15 Stunden im Monat über einen Zeitraum von fünf Jahren nutzten.

Text-im-Handydisplay-Vielnutzer-Hinweis

Wer mehr als 15 Stunden pro Monat oder insgesamt schon mehr als 900 Stunden telefoniert hat, zählt nach Ansicht renommierter Forscher zur Risikogruppe. Wie bei allen „Gefahrenstoffen“ kommt es auf die Konsummenge an. Bildquelle: GPG.


Wir rechnen nach: Alles in allem und sehr ehrlich addiert, sind 15 Stunden/Monat nicht besonders viel. Noch beunruhigender: 900 Stunden insgesamt z. B. nach der doppelten Zeit, also nach zehn Jahren (dann also nur 7,5 Stunden monatliche Telefonzeit), sind viel weniger als unsere eigenen Nutzungszeiten. Tatsächlich könnten wir in zehn Jahren auch 2.000 Stunden, bis zu 10.000 Stunden telefoniert haben. Denn auch, wenn wir mobil im Internet surfen, sind wir Strahlungen ausgesetzt, selbst wenn das Handy dann nicht so nah am Ohr anliegt.

Die Zeitangaben beziehen demnach auch die Handynutzung von Menschen in der näheren Umgebung mit ein, in gewisser Weise mit Zigarettenrauch vergleichbar.

900 Stunden Gesamtnutzungszeit erscheint eher wenig. Schon für jeden von uns hier in der Redaktion. Für Vielnutzer erst recht.

Das Maß macht das Risiko

Die Forscher betonten aber auch, dass eine „normale“ Nutzung ein kaum größeres Risiko mit sich bringt als bei Menschen, die gar keine Smartphones oder Handys benutzen. Nach Aussagen der französischen Forscher benutzten fast 50 Prozent der Probanden zum Studienzeitpunkt schon vier bis neun Jahre ein Handy. Vierzig Prozent schon zehn Jahre oder länger. 62 Prozent der untersuchten Personen benutzten das Handy vor allem geschäftlich. Dabei telefonierten sie im Durchschnitt eine knappe Stunde täglich.

Insbesondere junge Menschen, die oftmals viel zu unbedacht mit dem Handy umgingen und sich der Strahlung praktisch vierundzwanzig Stunden am Tag aussetzten sowie Vieltelefonierer, denen keine Wahl bleibt, sollten von gesundheitlichen Beeinträchtigungen bis hin zu schweren Erkrankungen ausgehen, denn ihre Nutzungsdauer ist signifikant höher.

Vielnutzer von Smartphones setzen sich einer Gefahr aus, die an das Rauchen von Zigaretten heranreicht.

WHO-Studie,
Internationale Agentur
für Krebsforschung:

„Strahlung möglicherweise krebserregend.“

Auch die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC), die der Weltgesundheitsorganisation untersteht, kam zu dem Schluss, dass Handystrahlung Erkrankungen nicht nur begünstigen, sondern direkt verursachen könnte. Die WHO stuft die Strahlung von hochfrequenten elektromagnetischen Feldern seit 2011 als möglicherweise krebserregend ein.

Handystrahlung rangiert immerhin in einer Warnstufe (2B), in der Blei, Abgase und Schimmelpilze genannt werden, so berichtet u. a. springer.com bereits 2011.

Dringend Aufklärung an
Schulen erforderlich

Grundsätzlich stellt sich die Frage, warum Kinder gerade in Grundschulen nicht eindringlicher vor den möglichen Gefahren gewarnt werden, jedenfalls solange, bis sie nicht vollständig ausgeschlossen werden können. Denn ausnahmslos sämtliche seriöse Studien und offizielle Stellen betonen besonders den Schutz von Kindern, teilweise sogar mit Nachdruck für die Konsumenten, die das wissen möchten und ein gewisses Maß an Eigenverantwortung gerade gegenüber ihren eigenen Kindern zu tragen bereit sind.

Absolute Insider und weltberühmte IT-Größen wie Steve Jobs (Apple) oder Chris Anderson (CEO von 3D Robotics) verboten ihren Kindern die Nutzung mobiler Technologien sogar ganz oder teilweise,

so berichtet nicht nur das Onlinemagazin mclife.de unter Berufung auf Nachfrage eines Reporters der New York Times gegenüber Steve Jobs. Es darf gefragt werden, vor was diese Experten ihre eigenen Kinder so eindringlich geschützt haben?

Weder aus den vorgenannten Fakten noch aus dem Verhalten führender IT-Größen leiteten sich politische Handlung ab, jedenfalls in Deutschland nicht. Nach Ansicht von Experten fehlt ein ebenso engagierter Aufklärungsmechanismus in Schulen wie bei diversen Drogen. Unsere Kinder seien ungeschützt und es entstand so ein lockeres Klima, frei nach dem Motto: es wird schon gut gehen.

Eine logische Konsequenz bei einer drohenden Gefahr (eben das besagt diese Wahrscheinlichkeit) ist das Ergreifen von präventiven Schutzmaßnahmen.

Eine Möglichkeit des Schutzes besteht in der Benutzung von Kopfhörern und Freisprechanlagen, da das Handy nicht direkt an den Kopf gehalten wird. Oder durch Beachtung der allseits empfohlenen Nutzungsdauern.

Diese Aufklärung an Schulen und in öffentlich-rechtlichen Medien ist überfällig.

Europäische Umweltagentur:
„Langfristig bestehen erhebliche
Gefahren durch Handystrahlung.“

Ausschnitt Artikel interphone study

Auszug aus der ARD-Sendung REPORT im Rahmen einer kritischen Berichterstattung über die INTERPHONE Study, die zu in der deutlich vor exzessiver Handynutzung gewarnt wird. Bildquelle: ARD, Magazin Report (Filmausschnitt).


Die INTERPHONE-Studie wird mittlerweile wie viele seriöse Erhebungen von industrienahen Experten und Instituten angezweifelt. Die Studie wurde zu circa 30 Prozent von der Industrie mitfinanziert. Dennoch kommen die Forscher in einem Zwischenbericht Ende 2007 lt. dem ARD-Nachrichtenmagazin REPORT zu dem Ergebnis:

Wer das Handy mehr als zehn Jahre hauptsächlich auf einer Seite vom Kopf benutzt, hat ein signifikant erhöhtes Risiko, einen Tumor am Hörnerv oder einen Gehirntumor, ein Gliom zu bekommen. Prof. Maria Blettner, Leiterin INTERPHONE Deutschland, relativiert und rät, weitere Ergebnisse abzuwarten. Abwarten, obwohl es klare Hinweise auf Langzeitschäden gibt? Damit werden Handynutzer immer wieder auf eine nächste Studie vertröstet, so das Nachrichtenmagazin.

EU-Behörde bezieht klar Stellung:
Mobil telefonieren ist gefährlich

Wenigstens, so der Bericht, bezieht endlich eine offizielle Behörde ungewohnt deutlich Stellung:

Mobilfunk ist gefährlich,

so heißt klar und deutlich in einem Bericht der europäischen Umweltagentur.

Die Direktorin der Umweltagentur hält weiteres Abwarten für fatal, angesichts der derzeitigen Forschungsergebnisse, so der Bericht. Jacqueline McGlade, Direktorin der europäischen Umweltagentur: Handys mögen schwach strahlen, aber es gibt genügend Beweise für Wirkungen auch bei schwacher Strahlung, sodass wir jetzt handeln müssen.

Der Bericht fasst auf über 600 Seiten 2.000 Studien zu elektromagnetischen Feldern zusammen und kommt darin zu eindeutigen Ergebnissen. „Nach mehr als 10-jähriger Handynutzung erhöht sich das Hirntumorrisiko um 20 bis 200 Prozent.“ Die Behörde resümiert: Die Grenzwerte sind unzureichend, gerade weil Kinder Handys schon in sehr jungen Jahren bekommen und besonders exzessiv nutzen.

Ausschnitt, Tumorgefahr-Handynutzung, Report, ARD

Auszug aus der ARD-Sendung REPORT. Berichtet wurde über eine 600 Seiten umfassende Sammelstudie berichtet, die mehr als 2.000 einzelne Studienergebnisse zusammenfasst. Bildquelle: ARD-Sendung Report (Filmausschnitt).


Unser Fazit:

Eine Kernfrage vor dem Recherchen war: Kann ein Risiko, das etwa mit dem Konsum von Tabak vergleichbar ist, von offizieller Seite ausgeschlossen werden? Jetzt fragen wir uns: Wollen wir das Risiko tatsächlich eingehen? Während die Hersteller durch Studien untermauert beteuern, dass die Strahlung sehr wahrscheinlich ungefährlich ist, warnen seriöse und glaubhafte Quellen klar und deutlich vor den Strahlungsgefahren.

Gehen wir übers Eis oder nicht?

Wir können also über diesen zugefrorenen See gehen. Am Ufer stehen aber diese offiziellen Schilder für jeden, der sie finden und lesen möchte. Auf denen steht: „Möglicherweise brechen Sie im Eis ein. Sollten Sie dennoch über das Eis gehen wollen, legen Sie sich besser auf den Bauch und bewegen Sie sich vorsichtig – dann könnte es funktionieren.“ Und: „Sie machen das auf eigenes Risiko – wir garantieren Ihnen keinesfalls, dass das gut geht und schon gar nicht, wenn Sie zu fest auftreten.“  

Wir hören das nicht gerne, aber genau so ist die Lage.

Bewusster mit Smartphones umgehen,
Kinder über mögliche Risiken aufklären

Wir werden unsere Smartphones behalten und benutzen. Allerdings deutlich vorsichtiger als bisher. Unsere Kinder haben wir bereits durch Erklärung dieser Fakten vernünftig informiert, ohne ihnen Angst zu machen, sondern zu sensibilisieren. Das tun wir schließlich auch beim Tabak und Alkohol. Diese Aufklärung, Ärger hin oder her, werden wir mit Nachdruck betreiben und notfalls Nutzungspausen durchsetzen. Wenn Sie selber Eltern sind, brauchen wir Ihnen die Reaktionen nicht darzulegen.

Es ist sehr schwierig, gerade die eigenen Kinder vor solchen Gefahren zu schützen, die so schwer zu greifen sind, zumal die Schulen kaum Support leisten. Das Thema existiert so gut wie gar nicht für die meisten User.

Erst wenn Schulen und öffentlich-rechtliche Medien wie die ARD-Sendung REPORT gemeinsam mit Instituten und Behörden über mögliche erhebliche Gefahren aufklären, können Eltern sich der ungenierten Machtausübung der Industrien widersetzen und wohl nur so erreichen, dass ihre Kinder möglicherweise nicht unter den Spätfolgen exzessiver Handynutzung zu leiden haben.

Mehr Unterrichtszeit zum Schutz von Kindern

Die niedersächsische Kultusministerin Frauke Heiligenstadt hat im Landtag dem Entschließungsantrag „Schule muss der Vielfalt sexueller und geschlechtlicher Identitäten gerecht werden“ zugestimmt. Wenn Zeit und Ressourcen dafür im Unterreicht freigemacht werden, sollte auch die Zeit sein, Kinder und Jugendliche vor den höchst offiziell nicht ausgeschlossenen lebensgefährlichen Gefahren von exzessiver Handynutzung zu informieren und hier sachliche Aufklärung zu unterrichten.

Derweil hat der Südtiroler Landtag deutlichere Fakten geschaffen und schützt vor allem Schüler proaktiv durch klare Beschlüsse, u. a:

„Eine Informations- und Sensibilisierungskampagne
ins Leben zu rufen, in der auf mögliche Risiken
für die Gesundheit insbesondere von Ungeborenen,
Babys, Kindern und Jugendlichen hingewiesen
und auf einen bewussten Gebrauch von Handys,
Smartphones und WLAN hingearbeitet 
wird.“