Grün ist nicht gleich Grün

von 2017, SeptemberNachhaltige Medien0 Kommentare

Welche Kriterien sind für die Wahl einer umweltfreundlichen Druckerei wirklich wichtig? Der Umwelt Index Druck (UmDEX) hilft bei der Wahl korrekt zertifizierter und umweltfreundlich produzierender Druckereien. 

Guido Schmidt berichtet über die Holzmafia

In der Farbenlehre wird Grün als die Farbe der Mitte bezeichnet. In ihrer vollendeten Neutralität zwischen allen Extremen wirkt sie beruhigend. Grün charakterisiert Eigenschaften wie Hilfsbereitschaft, Ausdauer, Toleranz und Zufriedenheit. Mit ihr werden außerdem Erneuerung, Frieden und Hoffnung assoziiert. Sie gilt gemeinhin als weibliche Farbe, denn sie strahlt Natürlichkeit, Jugend und Fruchtbarkeit aus. In vielen Kulturen versinnbildlicht sie erdnahe Elemente sowie die Erde selbst.

Grün strahlt Natürlichkeit, Jugend und Fruchtbarkeit aus.

Aber aufgepasst! Grün ist nicht gleich Grün

Grüne Früchte können unreif, sauer, bitter und manchmal beim Verzehr auch tödlich sein, wie etwa die süßen Früchte des Strandapfelbaums, die essbaren grünen Äpfeln zum Verwechseln ähnlich sind. Darum war es für die Menschheit lebenswichtig, den vielen in der Natur vorkommenden Grüntönen mit Skepsis zu begegnen.

Der Mensch hat im Laufe seiner Entwicklung zwar gelernt, tausendfache Grüntöne zu unterscheiden, dennoch fällt es ihm auch heutzutage sehr schwer Nuancen zu erkennen und einzuordnen. Auch im modernen Druckprozess gilt Grün als die Farbe, deren Reproduktion immer wieder zwischen den am Prozess Beteiligten zu Auseinandersetzungen darüber führt, ob der jeweilige gedruckte Grünton die richtige Nuancierung aufweist. Womit wir schon mitten im Thema sind.

Wann ist eine grüne Druckerei wirklich umweltfreundlich?

Gibt man im Internet Begriffe wie grün drucken, umweltfreundlich drucken, ökologisch drucken, klimaneutral drucken oder nachhaltig drucken ein, tauchen eine Vielzahl von Druckereien auf, die mindestens das eine oder andere der vorgenannten Schlagworte in ihrer Headline führen. Verantwortungsbewusste Drucksacheneinkäufer, die angesichts steigender Erderwärmung, rasanten Klimawandels, global schwelender Waldbrände, illegalen Holzschlags und schwindender lebenswichtiger Ressourcen in ihrem beruflichen Umfeld ökologisch handeln wollen, stehen immer wieder vor der entscheidenden Frage:

Welche Druckerei produziert wirklich umweltschonend und nachhaltig?

Die richtige Antwort zu finden, ist aufgrund steigender Umweltvernichtung schwierig, denn je mehr die Nachfrage nach ökologisch verträglichen Produkten und Dienstleistungen steigt, umso mehr dieser umweltbewusste Markt wächst, desto begehrter wird die Teilhabe daran.

Falsche Umweltlabels

Leider gibt es viele Labels, die nichts über den Umweltfaktor aussagen. Das gilt leider nicht nur am Supermarktregal, sondern auch in der Druckbranche. Bild von Logo vector created by rawpixel.com – www.freepik.com und Logo vector created by BiZkettE1 – www.freepik.com

Greenwashing

Kein Wunder also, dass gerade auch Unternehmen aus der Druckbranche alles tun, um sich ein möglichst grünes Image zu verschaffen. Häufig werden den Konsumenten dabei nur oberflächliche „ökologische Maßnahmen“ als echter Umweltschutz verkauft. Greenwashing ist weit verbreitet und oft nicht einfach zu erkennen.

Labels wie FSC, PEFC oder Klimaneutral gedruckt finden sich mittlerweile auf den Homepages der allermeisten Druckereien.

Sie allein sind jedoch kein Indiz für nachhaltige Umweltleistungen eines Unternehmens. Anders verhält es sich mit Zertifikaten für systematisches Umweltmanagement wie ISO 14001, Ökoprofit oder EMAS. Im Folgenden werden deshalb die gängigen Siegel und Zertifikate der Druckbranche erklärt. Im Umwelt Index Druck (UmDEX) erfolgt dann die Bewertung der gesamten Umweltleistungen eines Unternehmens, die es Drucksacheneinkäufern in Zukunft erleichtern wird, verantwortungsbewusste ökologische Druckdienstleister von den vielen Grünwäschern der Branche zu unterscheiden.

Der UmDEX zeigt das große Ganze. Der Mix von offiziellen Umweltlabels ist, nebst weiteren Maßnahmen im Umweltschutz, mehr als die Summe seiner Teile. Auch ist zu unterschieden, ob Labels z. B. mit offiziellen und verifizierbaren Seriennummern versehen sind oder einfach nur abgebildet werden. 

Erst bei dieser genaueren Betrachtung wird deutlich, das das

Prädikat Nachhaltiger Druckdienstleister

im deutschsprachigen Raum auf kaum mehr als 20 Druckereien zutrifft. Werfen wir einen Blick auf die Details:

Umweltlabels Druckereien

Echte Labels für die Druck- und Medienbranche. Einige dieser Labels lassen keine signifikanten Rückschlüsse auf die tatsächliche nachhaltige Ausrichtung von Druckereien zu, doch andere liefern klare Indizien, dass sich Druckereien für den Umweltschutz engagieren. Bild von Gerd Altmann auf Pixabay

„Klimaneutral gedruckt“ bedeutet nicht immer klimaneutrales Drucken

Eine Vielzahl der grafischen Unternehmen Deutschlands bietet „klimaneutrale Druckprodukte“ an. Ob unter dem Label der Climate Partner Deutschland GmbH, Nature Office, oder des Bundesverbands Druck & Medien – das Prozedere ist immer das gleiche:

Der Ausgleich der jeweiligen CO2-Emissionen, die bei der Herstellung eines Druckproduktes inklusive des Papiers, eingesetzter Chemikalien und sonstiger Materialien sowie Energie und Logistik anfallen, erfolgt über den Ankauf von Zertifikaten für geprüfte Klimaschutzprojekte. Zur Ermittlung der Emissionsmenge und der Berechnung der Ausgleichskosten für das einzelne Druckprodukt wird den Druckereien ein sogenannter CO2-Rechner zur Verfügung gestellt, in dem als Basis die individuellen Umweltauswirkungen des Unternehmens hinterlegt sind. Jeder Druckauftrag erhält anschließend zusammen mit dem Label eine unverwechselbare ID-Nummer und lässt sich so auch über Jahre hinaus zurückverfolgen.

Welche Maßnahmen zur CO2-Vermeidung im Unternehmen selbst implementiert sind, lässt sich anhand des Labels und der ID-Nummer nicht feststellen.

Eine Kompensierung sollte immer nur dann erfolgen, wenn alle Maßnahmen zur Vermeidung und Reduzierung von Emissionen grundsätzlich ausgeschöpft sind.

Allerdings unterscheidet sich auf den ersten Blick eine Druckerei, die ihren CO2-Fußabdruck lediglich durch ein Zertifikat kompensiert, nicht von einer Druckerei, die den Grundsatz

Vermeiden, Vermindern, Kompensieren

verantwortungsbewusst umsetzt und ihre Emissionen durch einen klimaneutralen Produktionsprozess, Wärmerückgewinnung, entsprechende Gebäudemaßnahmen, Photovoltaik, solare Wasseraufbereitung, Nutzung von Ökostrom, Einsatz energiesparender Logistik minimiert oder komplett vermeidet. Allenfalls ein Vergleich der Menge an CO2-Emission und der Kompensationskosten könnte darüber Auskunft geben, welche Druckerei „sauberer“ arbeitet.

Zu beachten ist, dass viele Druckereien die CO2-Kompensation lediglich für die jeweilige Menge und die entsprechenden Kosten eines Druckauftrags auf Kundenwunsch ausweisen. Andere Druckereien stellen dagegen ihre gesamte Produktion CO2 frei – unabhängig vom Kundenwunsch. In diesem Fall kann man davon ausgehen, dass hier die Vermeidung von Emissionen grundsätzlich im gesamten Produktionsprozess implementiert ist.

FSC® ist kein Umweltzertifikat sondern ein Label der Identifizierung von Produktketten (Chain of Custody)

FSC-Label für Druckereien

FSC-Label. Nur zertifizierte Druckereien tragen im Label eine Nummer als Bestätigung für die Zertifizierung. Bildquelle: FSC

FSC®, der Forest Stewardship Council®, ist eine internationale gemeinnützige Organisation, die das erste System zur Zertifizierung ökologischer Waldbewirtschaftung schuf. Gleichzeitig wird das Akronym FSC® auch für das Gütesiegel benutzt, mit welchem Holzprodukte als Erzeugnisse aus FSC® zertifiziertem Holz gekennzeichnet werden.

Papier aus FSC® zertifiziertem Holz trägt ebenfalls dieses Logo und darf von Druckereien, die in der Chain of Custody zertifiziert sind für die Kennzeichnung eines Druckprodukts benutzt werden. Die Zertifizierung für Druckereien besteht in einer gründlichen Überprüfung des mengenmäßigen Einsatzes von FSC® – zertifizierten Papieren vor Ort, das heißt: Im Zuge der Zertifizierung wird anhand von Lieferscheinen und Rechnungen kontrolliert, ob die Ein- und Verkaufsmengen von FSC® deklariertem Papier  übereinstimmen. Das Logo kann dann auf dem Produkt mitgedruckt werden.

Dabei sind Abbildungsvorschriften wie Mindestgröße, Abstände etc. zu beachten.

Nicht zertifizierte Druckereien dürfen diese Papiere natürlich verarbeiten, eine Label-Kennzeichnung ist ihnen nicht erlaubt.

Das mitgedruckte Label muss unbedingt die Zertifizierungsnummer des Unternehmens enthalten. Die Nutzung des Labels gibt keine Auskunft über weitere nachhaltige Maßnahmen einer Druckerei.

PEFC® ist kein Umweltzertifikat für eine Druckerei sondern ein Label der Identifizierung von Produktketten (Chain of Custody

PEFC-Label für Druckereien

PEFC-Label. Nur zertifizierte Druckereien tragen im Label eine Nummer als Bestätigung für die Zertifizierung. Bildquelle: PEFC

PEFC ist ein Zertifikat der europäischen Holzwirtschaft und dokumentiert zum einen die ökologische Waldbewirtschaftung durch die Waldbauern, andererseits garantiert das PEFC-Siegel eine kontrollierte Verarbeitungskette (Chain of Custody). Papier aus PEFC  zertifiziertem Holz trägt ebenfalls dieses Siegel und darf von Druckereien, die in der Chain of Custody zertifiziert sind, als solches angeboten und verarbeitet werden.

Die Zertifizierung erfolgt wie bei FSC® durch die Überprüfung der Ein-und Verkaufsmengen. Nicht zertifizierte Druckereien dürfen diese Papiere natürlich verarbeiten, jedoch ohne Label-Kennzeichnung.

Das mitgedruckte Label muss ebenfalls die Zertifizierungsnummer des Unternehmens enthalten,

sagt aber ebenfalls nichts über weitere nachhaltige Maßnahmen der Druckerei aus.

​Blauer Engel – ein umfassendes Umweltzertifikat für Produkte und Dienstleistungen

Dieses Siegel kennzeichnet im Allgemeinen besonders umweltschonende Produkte und Dienstleistungen. Recyclingpapiere, die mit diesem Siegel ausgezeichnet sind, gibt es seit Ende der 1970er Jahre auf dem Markt. Jede Druckerei kann diese Papiere verarbeiten. Viele Unternehmen verweisen auf ihren Websites unter Nutzung des Logos Blauer Engel darauf, dass bei ihnen Druckprodukte unter Verwendung dieser zertifizierten Papiere hergestellt werden.

Leider führt diese Verwendung des Blauer Engel-Labels oft zu Verwirrungen,

denn es suggeriert fälschlicherweise, dass das Druckprodukt unter nachhaltigen Bedingungen hergestellt wurde, obwohl oft nur zertifiziertes Papier verwendet worden ist.

Um solche Verwechslungen auszuschließen und eindeutig Klarheit zu schaffen, wurde im Jahr 2015 von der RAL gGmbH ein Zertifizierungsverfahren eingeführt, das es Druckereien und ihren Kunden ermöglicht ein gesamtes Druckprodukt als Blauer Engel Druckerzeugnis zu kommunizieren.

Blauer Engel für Druckereien

Im Unterschied zu Druckereien, die gelegentlich oder auf Wunsch auch Papier mit dem Blauen Engel bedrucken, ist dieses Label mit dem Zusatz /uz195 nur Druckereien vorbehalten, die den gesamten Betrieb zertifiziert haben.

Hierfür wurden bestimmte nachhaltige Kriterien festgelegt:

  • Das Druckprodukt muss in seiner Gesamtheit überwiegend aus Papier oder Karton bestehen.
  • Die eingesetzten Papiere und Kartons müssen überwiegend aus Recyclingfasern hergestellt sein.
  • Nachwachsende Rohstoffe, z. B. in Farben, dürfen nicht gentechnisch verändert sein.
  • Klebstoffe, Farben, usw. müssen unbedenklich gegenüber Umwelt und Gesundheit sein.
  • Das Produkt muss recycelbar & deinkbar sein.
  • Die-Druckerei selbst, muss ebenfalls bestimmte Kriterien erfüllen, damit sie Druckprodukte mit dem Blauen Engel auszeichnen darf. Dazu gehört ein im Produktionsablauf implementiertes und zertifiziertes Umweltschutz-Management-System, wie etwa EMAS oder 14001.
  • Außerdem werden nachweisbare Modifizierungen der Druckmaschinen zum Nachweis des alkoholfreien Druckprozesses gefordert sowie ein Energie-Mamanagementsystem nach ISO 5001.
  • Zusätzlich werden Unbedenklichkeitserklärungen für benutze Klebstoffe, Heftklammern, Druckhilfsmittel und Farben verlangt.
  • Ebenfalls wird die Bereitstellung diverser Kennzahlen zur Überprüfung des Energieverbrauchs, des Papierabfalls und
  • weiterer quantifizierter Umweltziele sowie der notwendigen technischen Anlagen gefordert.

Sind alle diese Kriterien erfüllt, erhält die Druckerei das Zertifikat, das sowohl auf der Website als auch auf Druckprodukten verwendet werden darf.

Das Blauer Engel Zertifikat erhält dann im Label das Suffix „RAL-UZ-195“.

Nur eine Druckerei, die im Label dieses Suffix „blauer-engel.de/UZ 195“ anführt, ist eine entsprechend zertifizierte Druckerei.

Unternehmen, die lediglich das Label ohne Suffix verwenden, sind jedoch nicht zertifiziert

und dürfen ihre Druckerzeugnisse nicht damit auszeichnen!

Ökoprofit – ein Ökologisches Projekt für integrierte Umwelt-Technik

Umweltlabel für Druckereien Ökoprofit

Label von ÖKOPROFIT, nur für dahingehend aktive Druckereien. 

Dahinter verbirgt sich ein Kooperationsprojekt zwischen Kommunen und der örtlichen Wirtschaft. Ziel ist eine Betriebskostensenkung unter gleichzeitiger Schonung der natürlichen Ressourcen. Produzierende Unternehmen, Dienstleister, Sozialeinrichtungen und Handwerksbetriebe können daran teilnehmen.

Wichtige Bausteine des Konzeptes sind gemeinsame Workshops der teilnehmenden Betriebe, in denen die Inhalte des Projekts durch externe Berater vermittelt werden. Nach einer einjährigen Projektdauer werden die Betriebe anhand eines Kriterienkatalogs geprüft und von der Kommune für ihre Umweltleistungen ausgezeichnet. Zu den wichtigen Kriterien gehören

  • die Vorlage eines Abfallwirtschaftskonzeptes,
  • ein skizziertes betriebliches Umweltprogramm sowie
  • die Verwendung von Kennzahlen zur Umweltleistung.

Im Grunde kann dieses Ökoprofit-Basisprogramm den Unternehmen dazu dienen, sich auf die später Zertifizierung nach ISO 14001 vorzubereiten.

Anders als bei anderen Umweltmanagementansätzen, die in der Regel auf das Einzelunternehmen ausgerichtet sind,

zielt Ökoprofit auf die Bildung eines lokalen kommunalen Netzwerks zum Umweltschutz ab.

Nach einem Jahr im Basisprogramm treten viele Betriebe einem Club bei, wo sie sich in regelmäßigen Workshops austauschen und über neue Entwicklungen im Umweltrecht und in relevanten organisatorischen und technischen Neuheiten informiert werden.

ISO 14001/2015 – Ein Prozess der Verbesserung für Umweltleistungen

Umweltlabel Druckereien ISO 14001

Text wird nachgeliefert.

Die internationale Umweltmanagementnorm ISO 1400/2015 legt weltweit anerkannte Anforderungen an ein Umweltmanagementsystem fest und ist Teil einer Normenfamilie. Diese beinhaltet zahlreiche weitere Normen zu verschiedenen Bereichen des Umweltmanagements, unter anderem zu Ökobilanzen, zu Umweltkennzahlen bzw. zur Umweltleistungsbewertung.

Sie kann sowohl auf produzierende als auch auf dienstleistende Unternehmen angewendet werden. Vorgeschrieben wird hier auch

  • die ständige Aktualisierung des Umweltrechtsregisters sowie
  • die innerbetriebliche Aktualisierung und Kommunikation der Umweltleistungen durch periodisch abzuhaltende innerbetriebliche Audits.

Zu beachten ist hierbei, dass dieses Zertifikat ein Standortzertifikat ist. Es ist kein Umwelt-Gütesiegel für ein Druckprodukt sondern bestätigt lediglich den nachhaltigen Charakter der Produktionsprozesse des zertifizierten Unternehmens. Es geht leider aus der Verordnung nicht klar hervor, wann und ob eine solche Zertifizierung durch externe Gutachter wiederholt werden muss bzw. wie lange sie gültig ist.

EMAS – Das anspruchsvolle Öko-Audit-System der Europäischen Union

EMAS-Label für Druckereien

EMAS-Unternehmen verbessern kontinuierlich ihre Umweltleistung mithilfe eines standardisierten Management-Systems.

EMAS ist weltweit das anspruchsvollste System für nachhaltiges Umweltmanagement. Es beinhaltet automatisch das Umweltmanagementsystem ISO 14001. Organisationen jeder Art werden mit dem EU-Label ausgezeichnet, wenn sie die strengen Anforderungen der EMAS-Verordnung erfüllen.

EMAS-Unternehmen verbessern kontinuierlich ihre Umweltleistung mithilfe eines standardisierten Management-Systems. Über ihre selbst gesteckten Umweltziele und deren Umsetzung berichten sie in der jährlichen EMAS-Umwelterklärung. In dieser Umwelterklärung werden alle innerbetrieblichen umwelttechnisch relevanten Kennzahlen der jeweiligen Produktionsabläufe dokumentiert, ebenso die jeweiligen erreichten und zukünftigen Umweltziele bewertet.

Da diese Erklärung öffentlich zugänglich sein muss

und von staatlich beaufsichtigten, unabhängigen Umweltgutachter/innen, z.B. TÜV, jährlich validiert wird, schafft sie eine hohe Transparenz, denn die Umweltbeauftragten kontrollieren ebenfalls, ob EMAS in der Praxis richtig umgesetzt wird und bestätigen, dass die EMAS-Organisationen alle Umweltvorschriften einhalten (Legal Compliance).

Geprüfte und validierte Druckereien erhalten ein Zertifikat mit der Identifikationsnummer des Unternehmens.

Das Zertifikat beinhaltet eine jährliche innerbetriebliche Revalidierung, die mittels der Umwelterklärung veröffentlicht und von externen Gutachtern überprüft wird. Das Zertifikat ist je nach Betriebsgröße ein oder zwei Jahre gültig. Nach Ablauf dieser Frist muss es erneut von externen Gutachtern validiert werden.

Zu beachten ist hierbei, dass dieses Zertifikat lediglich ein Standortzertifikat ist. Es ist leider kein Umwelt-Gütesiegel für ein Druckprodukt sondern bestätigt lediglich einen starken nachhaltigen Charakter der Produktionsprozesse des zertifizierten Unternehmens.

Aufgrund der geforderten Transparenz, die dieses Umweltsiegel schafft,

ist davon auszugehen, dass die in zertifizierten Druckereien produzierten Druckprodukte sehr hohen Umweltstandards entsprechen.

Gemeinwohl-Ökonomie – Ein zertifiziertes ethisches Wirtschaftssystem

Gemeinwohlökonomie-Label für Druckereien

Das Label baut auf gemeinwohlfördernden Werte wie Fairness, Nachhaltigkeit und Basisdemokratie.

Gemeinwohl-Ökonomie bezeichnet ein Wirtschaftssystem, das auf gemeinwohlfördernden Werten wie Fairness, Nachhaltigkeit und Basisdemokratie aufbaut. Damit wird die Gemeinwohl-Ökonomie zu einem betrieblichen Mechanismus der Veränderung auf wirtschaftlicher, politischer und gesellschaftlicher Ebene:

  • Auf wirtschaftlicher Ebene beruhen der Zweck des Wirtschaftens und die Bewertung des Unternehmenserfolgs auf der Umsetzung bestimmter am Gemeinwohl orientierter ethischer Werte.
  • Auf politischer Ebene will die Gemeinwohl-Ökonomie rechtliche Veränderung bewirken, wie z. B. besondere Steuererleichterungen für Unternehmen deren Wirtschaftsweise dem Gemeinwohl dient oder einer bevorzugten Berücksichtigung zertifizierter Unternehmen bei staatlichen und behördlichen Ausschreibungsverfahren.
  • Auf gesellschaftlicher Ebene ist die Gemeinwohl-Ökonomie eine Initiative zur Bewusstseinsbildung für einen Systemwandel, beruhend auf dem gemeinsamen, wertschätzenden, solidarischen Tun möglichst vieler Unternehmen: z. B. Bestandssicherung statt permanentem Wachstum, gemeinsames Handeln statt Konkurrenz.

Ein Unternehmen, das sich nach den Werten der Gemeinwohlökonomie zertifizieren lässt, bilanziert seine Umweltleistung mittels eines geprüften Managementsystems. Es beschreibt zusätzlich demokratische wie auch menschenwürdige Strukturen im Betrieb und veröffentlicht das Verhältnis der Einkommensstruktur zwischen Eigentümern, Geschäftsführern, Angestellten und allen weiteren Mitarbeitern.

Durch ein Punktesystem werden innerbetriebliche Standards wie

Menschenwürde, Solidarität, Gerechtigkeit, Ökologische Nachhaltigkeit, Transparenz, Mitentscheidung und Einkommensspreizung

bewertet. Diese Bewertung erfolgt durch unabhängige Gutachter. Ab einer bestimmten erreichten  Punktezahl erhält das Unternehmen ein Zertifikat. Die Zertifizierung ist auf zwei Jahre befristet und muss dann erneut validiert werden.

Im Unterschied zu ISO 14001/2015 und EMAS verlangt die Gemeinwohlökonomie zusätzlich, dass nicht nur die Umweltleistungen der jeweiligen Lieferanten und Dienstleister des Unternehmens durch Selbstauskunft eingefordert werden sondern ebenso auch entsprechende Nachweise zu den Werten Menschenwürde, Lohnstruktur, Solidarität, Transparenz und Mitentscheidung.

Ein Unternehmen der Gemeinwohl-Ökonomie wirtschaftet im besten Sinne nachhaltig,

da es nicht nur Umweltleistungen standardisiert sondern ebenso auf die Gemeinschaft orientiertes menschliches und unternehmerisches Handeln fördert.

Der Umwelt Index Druck (UmDEX) – Ein Instrument zur Entscheidungsfindung

Die vorangestellte Übersicht der gängigen Siegel und Labels der Druckbranche liefert Indizien für ökologische Bestrebungen einer Druckerei. Anzumerken ist aber,

dass jedes für sich allein noch nicht genug über wirkliche Umweltleistungen eines Unternehmens aussagt.

Erst die Summe der Siegel und Labels kann Aufschluss darüber geben, wie umfassend nachhaltig die Umweltleistung des jeweiligen Unternehmens ist. Weitere, nicht erwähnte Labels sind zum Beispiel DIN ISO 9001 (Qualitätsmanagement), DIN ISO 5001 (Energiemanagement), das Engagement oder die Mitgliedschaft bei der IPR – Initiative Pro Recyclingpapier und so weiter.

Weitere Umweltlabels für Druckereien

Weitere Labels. Der Text wird noch nachgereicht

Entscheidend ist dabei auch, wie verantwortungsbewusst die Mitarbeiter einer Druckerei die Umsetzung der zertifizierten Maßnahmen befolgen. Denn eines ist klar:

Ein Zertifikat ist nur so gut wie die Zertifizierenden und die Zertifizierten damit verfahren!

Daneben gibt es jedoch noch eine Vielzahl von umweltfreundlichen Leistungen, die nicht über Zertifikate oder Labels dargestellt werden können, wie z. B.

  • Alkoholfreies Drucken,
  • UV-loser Druckprozess,
  • Herstellung veganer Druckprodukte (in Kürze),
  • spezielle Maßnahmen zur Emissionsvermeidung,
  • umweltfreundliche, ressourcenschonende Gebäudeplanung und –Ausstattung,
  • umweltfreundliche Lieferlogistik.

Ebenso gehören ethische Indikatoren zu den nachhaltigen Leistungen eines Unternehmens, die selten über Zertifikate kommuniziert werden:

  • betriebliche Frauenquote,
  • soziales Engagement,
  • Biodiversität,
  • persönliches Engagement in regionalen Initiativen u. v. m.

Im UmDEX werden darum sämtliche diese nicht zertifizierten produktionsspezifischen und außerfachlichen Kompetenzen eines Unternehmens zusammen mit den branchenüblichen Zertifikaten, Siegeln und Labeln des Unternehmens mittels eines Punktesystems addiert und den Leistungen entsprechend gewichtet.

Das schafft Transparenz und erleichtert die Suche nach einer grünen, umweltfreundlichen, ökologischen und nachhaltigen Druckerei – und

der UmDEX hilft, die grüngewaschene Spreu vom grünen Weizen zu trennen.

UmDEX

Beschreibung der Bewertungskriterien und Gewichtungen des UmDEX. Kurze Hinweise oder direkte Vorstellung der einzelnen Kriterien. 

[500] Druckerei Lokay e. K.

Link zum Anbieter
Königsberger Str. 3
64354 Reinheim

Energie-, Umwelt- und Qualitätsmanagement:

 125       Blauer Engel Standort, RAL UZ 195
 100        EMAS (Umweltmanagement)
   50        ÖKOPROFIT
   25        Prozessstandard Offset PSO

Energieeffizienz:

   10       Ökostrom
   25       Wärmerückgewinnung
   25       Energieeffiziente Beleuchtung

Druckprozess, Verbrauchsmaterial, Sonstiges:

   25       Alkoholfreier Druckprozess
   50       Chemie- und wasserlose Druckplattenproduktion
   25       Über 50 % Einsatz von Bio-/Ökodruckfarben

Siegel, Label und Zertifikate:

   10       FSC

Mitgliedschaften, Soziales & Regionales  Engagement

   10       Umweltallianz Hessen

CO2-Kompensation/-Rechner

   10       Klimaneutraler Standort, vollständige Produktion kompensiert
   10       Go Green, DHL

[460] DBM - Druckhaus Berlin Mitte GmbH

Link zum Anbieter
Wilhelm-Kabus-Straße 21-35
10829 Berlin

Energie-, Umwelt- und Qualitätsmanagement:

 100       EMAS (Umweltmanagement)
 125        Blauer Engel Standard RAL UZ 195

Energieeffizienz:

   10       Ökostrom

Druckprozess, Verbrauchsmaterial, Sonstiges:

   25       Saphira ECO-Produkte
   50       Alkoholfreier Druckprozess
   50       Chemie- und wasserlose Druckproduktion

Siegel, Label und Zertifikate:

   10       FSC

Mitgliedschaften, Soziales & Regionales  Engagement:

   25       Druckpartner Initiative Pro Recyclingpapier
   10       Green Brands Internation

CO2-Kompensation/-Rechner:

   10       Klimaneutral auf Kundenwunsch
   10       Go Greem-DHL

Eigenes Engagement, Label:

   20       Natürlich ohne UV

 

[455] oeding print GmbH

Link zum Anbieter
Erzbergstraße 45
38126 Braunschweig

Energie-, Umwelt- und Qualitätsmanagement:

 100        EMAS (Umweltmanagement)
   25        DIN ISO 9001 (Qualitätsmanagement)
   25         Prozessstandard Offset POS
   25        Prozessstandard Offset PSOaktiv
   50        Ökoprofit
 125        Blauer Engel Standort, RAL 195

Energieeffizienz:

   10       Ökostrom
   25       Wärmerückgewinnung

Druckprozess, Verbrauchsmaterial, Sonstiges:

   25       Saphira ECO-Produkte
   25       Über 50 % Einsatz von Bio-/Ökodruckfarben

Siegel, Label und Zertifikate:

   10       FSC
   10       PEFC

Mitgliedschaften, Soziales & Regionales  Engagement:

   10       Green Brands International

CO2-Kompensation/-Rechner:

   10       Klimaneutral auf Kundenwunsch

Eigenes Engagement, Label:

   10       Vegane Drucksachen

 

[390] Druckstudio GmbH

Link zum Anbieter
Professor-Oehler-Straße 10
40589 Düsseldorf

Energie-, Umwelt- und Qualitätsmanagement:

   75        DIN ISO 14001 Umweltmanagement
   25        DIN ISO 50001 (Energiemanagement)
   25        DIN ISO 9001 (Qualitätsmanagement)
   50        Ökoprofit
   25        Prozessstandard Offset PSO

Energieeffizienz:

   10       Ökostrom
   25       Wärmerückgewinnung
   25       Photovoltaik
   10       Energieeffiziente Beleuchtung
   25       Umweltfreundliche Mobilität

Druckprozess, Verbrauchsmaterial, Sonstiges:

   25       Saphira ECO-Produkte

Siegel, Label und Zertifikate:

  10       FSC

Mitgliedschaften, Soziales & Regionales  Engagement

   10       Unterstützung der Düsseldorfer Kindertafel e.V.
   10       Sterntaler Düsseldorf e.V. (Unterstützung hilfsb. Kinder)
   10       Unterstützung der dolphin aid e.V. (Delphintherapie für Kinder)
   10       Unterstützung des Düsseldorfer Kinderhospizes Regenbogenland

 

[390] Gründrucken GmbH

Link zum Anbieter
Am Bergwerkswald 20
35392 Gießen

Energie-, Umwelt- und Qualitätsmanagement:

 100        EMAS (Umweltmanagement)
 125        Blauer Engel Standort, RAL UZ 195

Energieeffizienz:

   10       Ökostrom

Druckprozess, Verbrauchsmaterial, Sonstiges:

   50       Alkoholfreier Druckprozess
   50       Chemie- und wasserlose Druckplattenproduktion
   25       Über 50 % Einsatz von Bio-/Ökodruckfarben

Siegel, Label und Zertifikate:

  10       FSC

CO2-Kompensation/-Rechner:

   20     Klimaneutral auf Kundenwunsch

 

[385] Prinzipia, Bonitasprint GmbH

Link zum Anbieter
Max-von-Laue-Straße 31
97080 Würzburg

Energie-, Umwelt- und Qualitätsmanagement:

 125        Blauer Engel Standort RAL UZ 195
   25        Prozessstandard Offset PSO

Energieeffizienz:

   10       Ökostrom
   25       Photovoltaik
   25       Umweltfreundliche Mobilität

Druckprozess, Verbrauchsmaterial, Sonstiges:

   50       Alkoholfreier Druckprozess
   50       Chemie- und wasserlose Druckplattenproduktion
   25       Über 50 % Einsatz von Bio-/Ökodruckfarben

Siegel, Label und Zertifikate:

  10       FSC
  10       PEFC

Mitgliedschaften, Soziales & Regionales  Engagement

   10       Green Brands International
   10       B.A.U.M.
   10       Umweltpakt Bayern
   10       Unterstützung des Düsseldorfer Kinderhospizes Regenbogenland

CO2-Kompensation/-Rechner

  20       Klimaneutral auf Kundenwunsch

 

[315] Buchdruckerei Lustenau GmbH

Link zum Anbieter
Millennium Pk. 10
6890 Lustenau, Österreich

Energie-, Umwelt- und Qualitätsmanagement:

   25        DIN ISO 50001 (Energiemanagement)
   25        Prozessstandard Offset PSO

Energieeffizienz:

   25       Wärme und Kühlung durch Energiepfähle
   25       Wärmerückgewinnung
   25       Umweltfreundliche Mobilität

Druckprozess, Verbrauchsmaterial, Sonstiges:

   50       Saphira ECO-Produkte
   25       Über 50 % Einsatz von Bio-/Ökodruckarben
   25       Über 50 % umweltfreundliche Lacke

Siegel, Label und Zertifikate:

  10       FSC
  10       PEFC
  10       EU-Ecoloabel

Mitgliedschaften, Soziales & Regionales  Engagement

  10       Österreichisches Umweltlabel
  10       Green Brands Award

CO2-Kompensation/-Rechner

  10       Klimaneutral auf Kundenwunsch

 

[295] PRINT POOL GmbH, Druckerei Taunusstein

Link zum Anbieter
Auf dem Kleinen Feld 15A
65232 Taunusstein

Energie-, Umwelt- und Qualitätsmanagement:

 125        Blauer Engel Standort RAL UZ 195

Energieeffizienz:

   10       Ökostrom

Druckprozess, Verbrauchsmaterial, Sonstiges:

   50      Alkoholfreier Druckprozess
   25       Über 50 % Einsatz von Bio-/Ökodruckfarben

Siegel, Label und Zertifikate:

  10       FSC

Mitgliedschaften, Soziales & Regionales  Engagement:

   25      Druckpartner Initiative Pro Recyclingpapier
   10      Green Brands Internation
   10      Umweltallianz Hessen

CO2-Kompensation/-Rechner:

   20       Klimaneutral auf Kundenwunsch
   10       Go Green DH

 

[295] Druckerei Janetschek GmbH

Link zum Anbieter
Brunfeldstraße 2
3860 Heidenreichstein, Österreich

Energie-, Umwelt- und Qualitätsmanagement:

 100       EMAS (Umweltmanagement)

Energieeffizienz:

   10       Ökostrom
   25       Photovoltaik

Druckprozess, Verbrauchsmaterial, Sonstiges:

Siegel, Label und Zertifikate:

  10       FSC
  10       PEFC

Mitgliedschaften, Soziales & Regionales  Engagement:

  10       Österreichisches Umweltlabel
  10       Österreichisches CSR-Label
  10       Respact

CO2-Kompensation/-Rechner:

  10       Klimaneutral auf Kundenwunsch

Eigenes Engagement, Label:

  50       Aktive Spenden für Humusaufbau-Projekt in der Landwirtschaft

 

In der Farbenlehre wird Grün als die Farbe der Mitte bezeichnet. In ihrer vollendeten Neutralität zwischen allen Extremen wirkt sie beruhigend. Grün charakterisiert Eigenschaften wie Hilfsbereitschaft, Ausdauer, Toleranz und Zufriedenheit. Mit ihr werden außerdem Erneuerung, Frieden und Hoffnung assoziiert. Sie gilt gemeinhin als weibliche Farbe, denn sie strahlt Natürlichkeit, Jugend und Fruchtbarkeit aus. In vielen Kulturen versinnbildlicht sie erdnahe Elemente sowie die Erde selbst.

Grün strahlt Natürlichkeit, Jugend und Fruchtbarkeit aus.

Aber aufgepasst! Grün ist nicht gleich Grün

Grüne Früchte können unreif, sauer, bitter und manchmal beim Verzehr auch tödlich sein, wie etwa die süßen Früchte des Strandapfelbaums, die essbaren grünen Äpfeln zum Verwechseln ähnlich sind. Darum war es für die Menschheit lebenswichtig, den vielen in der Natur vorkommenden Grüntönen mit Skepsis zu begegnen.

Der Mensch hat im Laufe seiner Entwicklung zwar gelernt, tausendfache Grüntöne zu unterscheiden, dennoch fällt es ihm auch heutzutage sehr schwer Nuancen zu erkennen und einzuordnen. Auch im modernen Druckprozess gilt Grün als die Farbe, deren Reproduktion immer wieder zwischen den am Prozess Beteiligten zu Auseinandersetzungen darüber führt, ob der jeweilige gedruckte Grünton die richtige Nuancierung aufweist. Womit wir schon mitten im Thema sind.

Wann ist eine grüne Druckerei wirklich umweltfreundlich?

Gibt man im Internet Begriffe wie grün drucken, umweltfreundlich drucken, ökologisch drucken, klimaneutral drucken oder nachhaltig drucken ein, tauchen eine Vielzahl von Druckereien auf, die mindestens das eine oder andere der vorgenannten Schlagworte in ihrer Headline führen. Verantwortungsbewusste Drucksacheneinkäufer, die angesichts steigender Erderwärmung, rasanten Klimawandels, global schwelender Waldbrände, illegalen Holzschlags und schwindender lebenswichtiger Ressourcen in ihrem beruflichen Umfeld ökologisch handeln wollen, stehen immer wieder vor der entscheidenden Frage:

Welche Druckerei produziert wirklich umweltschonend und nachhaltig?

Die richtige Antwort zu finden, ist aufgrund steigender Umweltvernichtung schwierig, denn je mehr die Nachfrage nach ökologisch verträglichen Produkten und Dienstleistungen steigt, umso mehr dieser umweltbewusste Markt wächst, desto begehrter wird die Teilhabe daran.

Falsche Umweltlabels

Leider gibt es viele Labels, die nichts über den Umweltfaktor aussagen. Das gilt leider nicht nur am Supermarktregal, sondern auch in der Druckbranche. Bild von Logo vector created by rawpixel.com – www.freepik.com und Logo vector created by BiZkettE1 – www.freepik.com

Greenwashing

Kein Wunder also, dass gerade auch Unternehmen aus der Druckbranche alles tun, um sich ein möglichst grünes Image zu verschaffen. Häufig werden den Konsumenten dabei nur oberflächliche „ökologische Maßnahmen“ als echter Umweltschutz verkauft. Greenwashing ist weit verbreitet und oft nicht einfach zu erkennen.

Labels wie FSC, PEFC oder Klimaneutral gedruckt finden sich mittlerweile auf den Homepages der allermeisten Druckereien.

Sie allein sind jedoch kein Indiz für nachhaltige Umweltleistungen eines Unternehmens. Anders verhält es sich mit Zertifikaten für systematisches Umweltmanagement wie ISO 14001, Ökoprofit oder EMAS. Im Folgenden werden deshalb die gängigen Siegel und Zertifikate der Druckbranche erklärt. Im Umwelt Index Druck (UmDEX) erfolgt dann die Bewertung der gesamten Umweltleistungen eines Unternehmens, die es Drucksacheneinkäufern in Zukunft erleichtern wird, verantwortungsbewusste ökologische Druckdienstleister von den vielen Grünwäschern der Branche zu unterscheiden.

Der UmDEX zeigt das große Ganze. Der Mix von offiziellen Umweltlabels ist, nebst weiteren Maßnahmen im Umweltschutz, mehr als die Summe seiner Teile. Auch ist zu unterschieden, ob Labels z. B. mit offiziellen und verifizierbaren Seriennummern versehen sind oder einfach nur abgebildet werden. 

Erst bei dieser genaueren Betrachtung wird deutlich, das das

Prädikat Nachhaltiger Druckdienstleister

im deutschsprachigen Raum auf kaum mehr als 20 Druckereien zutrifft. Werfen wir einen Blick auf die Details:

Umweltlabels Druckereien

Echte Labels für die Druck- und Medienbranche. Einige dieser Labels lassen keine signifikanten Rückschlüsse auf die tatsächliche nachhaltige Ausrichtung von Druckereien zu, doch andere liefern klare Indizien, dass sich Druckereien für den Umweltschutz engagieren. Bild von Gerd Altmann auf Pixabay

„Klimaneutral gedruckt“ bedeutet nicht immer klimaneutrales Drucken

Eine Vielzahl der grafischen Unternehmen Deutschlands bietet „klimaneutrale Druckprodukte“ an. Ob unter dem Label der Climate Partner Deutschland GmbH, Nature Office, oder des Bundesverbands Druck & Medien – das Prozedere ist immer das gleiche:

Der Ausgleich der jeweiligen CO2-Emissionen, die bei der Herstellung eines Druckproduktes inklusive des Papiers, eingesetzter Chemikalien und sonstiger Materialien sowie Energie und Logistik anfallen, erfolgt über den Ankauf von Zertifikaten für geprüfte Klimaschutzprojekte. Zur Ermittlung der Emissionsmenge und der Berechnung der Ausgleichskosten für das einzelne Druckprodukt wird den Druckereien ein sogenannter CO2-Rechner zur Verfügung gestellt, in dem als Basis die individuellen Umweltauswirkungen des Unternehmens hinterlegt sind. Jeder Druckauftrag erhält anschließend zusammen mit dem Label eine unverwechselbare ID-Nummer und lässt sich so auch über Jahre hinaus zurückverfolgen.

Welche Maßnahmen zur CO2-Vermeidung im Unternehmen selbst implementiert sind, lässt sich anhand des Labels und der ID-Nummer nicht feststellen.

Eine Kompensierung sollte immer nur dann erfolgen, wenn alle Maßnahmen zur Vermeidung und Reduzierung von Emissionen grundsätzlich ausgeschöpft sind.

Allerdings unterscheidet sich auf den ersten Blick eine Druckerei, die ihren CO2-Fußabdruck lediglich durch ein Zertifikat kompensiert, nicht von einer Druckerei, die den Grundsatz

Vermeiden, Vermindern, Kompensieren

verantwortungsbewusst umsetzt und ihre Emissionen durch einen klimaneutralen Produktionsprozess, Wärmerückgewinnung, entsprechende Gebäudemaßnahmen, Photovoltaik, solare Wasseraufbereitung, Nutzung von Ökostrom, Einsatz energiesparender Logistik minimiert oder komplett vermeidet. Allenfalls ein Vergleich der Menge an CO2-Emission und der Kompensationskosten könnte darüber Auskunft geben, welche Druckerei „sauberer“ arbeitet.

Zu beachten ist, dass viele Druckereien die CO2-Kompensation lediglich für die jeweilige Menge und die entsprechenden Kosten eines Druckauftrags auf Kundenwunsch ausweisen. Andere Druckereien stellen dagegen ihre gesamte Produktion CO2 frei – unabhängig vom Kundenwunsch. In diesem Fall kann man davon ausgehen, dass hier die Vermeidung von Emissionen grundsätzlich im gesamten Produktionsprozess implementiert ist.

FSC® ist kein Umweltzertifikat sondern ein Label der Identifizierung von Produktketten (Chain of Custody)

FSC-Label für Druckereien

FSC-Label. Nur zertifizierte Druckereien tragen im Label eine Nummer als Bestätigung für die Zertifizierung. Bildquelle: FSC

FSC®, der Forest Stewardship Council®, ist eine internationale gemeinnützige Organisation, die das erste System zur Zertifizierung ökologischer Waldbewirtschaftung schuf. Gleichzeitig wird das Akronym FSC® auch für das Gütesiegel benutzt, mit welchem Holzprodukte als Erzeugnisse aus FSC® zertifiziertem Holz gekennzeichnet werden.

Papier aus FSC® zertifiziertem Holz trägt ebenfalls dieses Logo und darf von Druckereien, die in der Chain of Custody zertifiziert sind für die Kennzeichnung eines Druckprodukts benutzt werden. Die Zertifizierung für Druckereien besteht in einer gründlichen Überprüfung des mengenmäßigen Einsatzes von FSC® – zertifizierten Papieren vor Ort, das heißt: Im Zuge der Zertifizierung wird anhand von Lieferscheinen und Rechnungen kontrolliert, ob die Ein- und Verkaufsmengen von FSC® deklariertem Papier  übereinstimmen. Das Logo kann dann auf dem Produkt mitgedruckt werden.

Dabei sind Abbildungsvorschriften wie Mindestgröße, Abstände etc. zu beachten.

Nicht zertifizierte Druckereien dürfen diese Papiere natürlich verarbeiten, eine Label-Kennzeichnung ist ihnen nicht erlaubt.

Das mitgedruckte Label muss unbedingt die Zertifizierungsnummer des Unternehmens enthalten. Die Nutzung des Labels gibt keine Auskunft über weitere nachhaltige Maßnahmen einer Druckerei.

PEFC® ist kein Umweltzertifikat für eine Druckerei sondern ein Label der Identifizierung von Produktketten (Chain of Custody

PEFC-Label für Druckereien

PEFC-Label. Nur zertifizierte Druckereien tragen im Label eine Nummer als Bestätigung für die Zertifizierung. Bildquelle: PEFC

PEFC ist ein Zertifikat der europäischen Holzwirtschaft und dokumentiert zum einen die ökologische Waldbewirtschaftung durch die Waldbauern, andererseits garantiert das PEFC-Siegel eine kontrollierte Verarbeitungskette (Chain of Custody). Papier aus PEFC  zertifiziertem Holz trägt ebenfalls dieses Siegel und darf von Druckereien, die in der Chain of Custody zertifiziert sind, als solches angeboten und verarbeitet werden.

Die Zertifizierung erfolgt wie bei FSC® durch die Überprüfung der Ein-und Verkaufsmengen. Nicht zertifizierte Druckereien dürfen diese Papiere natürlich verarbeiten, jedoch ohne Label-Kennzeichnung.

Das mitgedruckte Label muss ebenfalls die Zertifizierungsnummer des Unternehmens enthalten,

sagt aber ebenfalls nichts über weitere nachhaltige Maßnahmen der Druckerei aus.

​Blauer Engel – ein umfassendes Umweltzertifikat für Produkte und Dienstleistungen

Dieses Siegel kennzeichnet im Allgemeinen besonders umweltschonende Produkte und Dienstleistungen. Recyclingpapiere, die mit diesem Siegel ausgezeichnet sind, gibt es seit Ende der 1970er Jahre auf dem Markt. Jede Druckerei kann diese Papiere verarbeiten. Viele Unternehmen verweisen auf ihren Websites unter Nutzung des Logos Blauer Engel darauf, dass bei ihnen Druckprodukte unter Verwendung dieser zertifizierten Papiere hergestellt werden.

Leider führt diese Verwendung des Blauer Engel-Labels oft zu Verwirrungen,

denn es suggeriert fälschlicherweise, dass das Druckprodukt unter nachhaltigen Bedingungen hergestellt wurde, obwohl oft nur zertifiziertes Papier verwendet worden ist.

Um solche Verwechslungen auszuschließen und eindeutig Klarheit zu schaffen, wurde im Jahr 2015 von der RAL gGmbH ein Zertifizierungsverfahren eingeführt, das es Druckereien und ihren Kunden ermöglicht ein gesamtes Druckprodukt als Blauer Engel Druckerzeugnis zu kommunizieren.

Blauer Engel für Druckereien

Im Unterschied zu Druckereien, die gelegentlich oder auf Wunsch auch Papier mit dem Blauen Engel bedrucken, ist dieses Label mit dem Zusatz /uz195 nur Druckereien vorbehalten, die den gesamten Betrieb zertifiziert haben.

Hierfür wurden bestimmte nachhaltige Kriterien festgelegt:

  • Das Druckprodukt muss in seiner Gesamtheit überwiegend aus Papier oder Karton bestehen.
  • Die eingesetzten Papiere und Kartons müssen überwiegend aus Recyclingfasern hergestellt sein.
  • Nachwachsende Rohstoffe, z. B. in Farben, dürfen nicht gentechnisch verändert sein.
  • Klebstoffe, Farben, usw. müssen unbedenklich gegenüber Umwelt und Gesundheit sein.
  • Das Produkt muss recycelbar & deinkbar sein.
  • Die-Druckerei selbst, muss ebenfalls bestimmte Kriterien erfüllen, damit sie Druckprodukte mit dem Blauen Engel auszeichnen darf. Dazu gehört ein im Produktionsablauf implementiertes und zertifiziertes Umweltschutz-Management-System, wie etwa EMAS oder 14001.
  • Außerdem werden nachweisbare Modifizierungen der Druckmaschinen zum Nachweis des alkoholfreien Druckprozesses gefordert sowie ein Energie-Mamanagementsystem nach ISO 5001.
  • Zusätzlich werden Unbedenklichkeitserklärungen für benutze Klebstoffe, Heftklammern, Druckhilfsmittel und Farben verlangt.
  • Ebenfalls wird die Bereitstellung diverser Kennzahlen zur Überprüfung des Energieverbrauchs, des Papierabfalls und
  • weiterer quantifizierter Umweltziele sowie der notwendigen technischen Anlagen gefordert.

Sind alle diese Kriterien erfüllt, erhält die Druckerei das Zertifikat, das sowohl auf der Website als auch auf Druckprodukten verwendet werden darf.

Das Blauer Engel Zertifikat erhält dann im Label das Suffix „RAL-UZ-195“.

Nur eine Druckerei, die im Label dieses Suffix „blauer-engel.de/UZ 195“ anführt, ist eine entsprechend zertifizierte Druckerei.

Unternehmen, die lediglich das Label ohne Suffix verwenden, sind jedoch nicht zertifiziert

und dürfen ihre Druckerzeugnisse nicht damit auszeichnen!

Ökoprofit – ein Ökologisches Projekt für integrierte Umwelt-Technik

Umweltlabel für Druckereien Ökoprofit

Label von ÖKOPROFIT, nur für dahingehend aktive Druckereien. 

Dahinter verbirgt sich ein Kooperationsprojekt zwischen Kommunen und der örtlichen Wirtschaft. Ziel ist eine Betriebskostensenkung unter gleichzeitiger Schonung der natürlichen Ressourcen. Produzierende Unternehmen, Dienstleister, Sozialeinrichtungen und Handwerksbetriebe können daran teilnehmen.

Wichtige Bausteine des Konzeptes sind gemeinsame Workshops der teilnehmenden Betriebe, in denen die Inhalte des Projekts durch externe Berater vermittelt werden. Nach einer einjährigen Projektdauer werden die Betriebe anhand eines Kriterienkatalogs geprüft und von der Kommune für ihre Umweltleistungen ausgezeichnet. Zu den wichtigen Kriterien gehören

  • die Vorlage eines Abfallwirtschaftskonzeptes,
  • ein skizziertes betriebliches Umweltprogramm sowie
  • die Verwendung von Kennzahlen zur Umweltleistung.

Im Grunde kann dieses Ökoprofit-Basisprogramm den Unternehmen dazu dienen, sich auf die später Zertifizierung nach ISO 14001 vorzubereiten.

Anders als bei anderen Umweltmanagementansätzen, die in der Regel auf das Einzelunternehmen ausgerichtet sind,

zielt Ökoprofit auf die Bildung eines lokalen kommunalen Netzwerks zum Umweltschutz ab.

Nach einem Jahr im Basisprogramm treten viele Betriebe einem Club bei, wo sie sich in regelmäßigen Workshops austauschen und über neue Entwicklungen im Umweltrecht und in relevanten organisatorischen und technischen Neuheiten informiert werden.

ISO 14001/2015 – Ein Prozess der Verbesserung für Umweltleistungen

Umweltlabel Druckereien ISO 14001

Text wird nachgeliefert.

Die internationale Umweltmanagementnorm ISO 1400/2015 legt weltweit anerkannte Anforderungen an ein Umweltmanagementsystem fest und ist Teil einer Normenfamilie. Diese beinhaltet zahlreiche weitere Normen zu verschiedenen Bereichen des Umweltmanagements, unter anderem zu Ökobilanzen, zu Umweltkennzahlen bzw. zur Umweltleistungsbewertung.

Sie kann sowohl auf produzierende als auch auf dienstleistende Unternehmen angewendet werden. Vorgeschrieben wird hier auch

  • die ständige Aktualisierung des Umweltrechtsregisters sowie
  • die innerbetriebliche Aktualisierung und Kommunikation der Umweltleistungen durch periodisch abzuhaltende innerbetriebliche Audits.

Zu beachten ist hierbei, dass dieses Zertifikat ein Standortzertifikat ist. Es ist kein Umwelt-Gütesiegel für ein Druckprodukt sondern bestätigt lediglich den nachhaltigen Charakter der Produktionsprozesse des zertifizierten Unternehmens. Es geht leider aus der Verordnung nicht klar hervor, wann und ob eine solche Zertifizierung durch externe Gutachter wiederholt werden muss bzw. wie lange sie gültig ist.

EMAS – Das anspruchsvolle Öko-Audit-System der Europäischen Union

EMAS-Label für Druckereien

EMAS-Unternehmen verbessern kontinuierlich ihre Umweltleistung mithilfe eines standardisierten Management-Systems.

EMAS ist weltweit das anspruchsvollste System für nachhaltiges Umweltmanagement. Es beinhaltet automatisch das Umweltmanagementsystem ISO 14001. Organisationen jeder Art werden mit dem EU-Label ausgezeichnet, wenn sie die strengen Anforderungen der EMAS-Verordnung erfüllen.

EMAS-Unternehmen verbessern kontinuierlich ihre Umweltleistung mithilfe eines standardisierten Management-Systems. Über ihre selbst gesteckten Umweltziele und deren Umsetzung berichten sie in der jährlichen EMAS-Umwelterklärung. In dieser Umwelterklärung werden alle innerbetrieblichen umwelttechnisch relevanten Kennzahlen der jeweiligen Produktionsabläufe dokumentiert, ebenso die jeweiligen erreichten und zukünftigen Umweltziele bewertet.

Da diese Erklärung öffentlich zugänglich sein muss

und von staatlich beaufsichtigten, unabhängigen Umweltgutachter/innen, z.B. TÜV, jährlich validiert wird, schafft sie eine hohe Transparenz, denn die Umweltbeauftragten kontrollieren ebenfalls, ob EMAS in der Praxis richtig umgesetzt wird und bestätigen, dass die EMAS-Organisationen alle Umweltvorschriften einhalten (Legal Compliance).

Geprüfte und validierte Druckereien erhalten ein Zertifikat mit der Identifikationsnummer des Unternehmens.

Das Zertifikat beinhaltet eine jährliche innerbetriebliche Revalidierung, die mittels der Umwelterklärung veröffentlicht und von externen Gutachtern überprüft wird. Das Zertifikat ist je nach Betriebsgröße ein oder zwei Jahre gültig. Nach Ablauf dieser Frist muss es erneut von externen Gutachtern validiert werden.

Zu beachten ist hierbei, dass dieses Zertifikat lediglich ein Standortzertifikat ist. Es ist leider kein Umwelt-Gütesiegel für ein Druckprodukt sondern bestätigt lediglich einen starken nachhaltigen Charakter der Produktionsprozesse des zertifizierten Unternehmens.

Aufgrund der geforderten Transparenz, die dieses Umweltsiegel schafft,

ist davon auszugehen, dass die in zertifizierten Druckereien produzierten Druckprodukte sehr hohen Umweltstandards entsprechen.

Gemeinwohl-Ökonomie – Ein zertifiziertes ethisches Wirtschaftssystem

Gemeinwohlökonomie-Label für Druckereien

Das Label baut auf gemeinwohlfördernden Werte wie Fairness, Nachhaltigkeit und Basisdemokratie.

Gemeinwohl-Ökonomie bezeichnet ein Wirtschaftssystem, das auf gemeinwohlfördernden Werten wie Fairness, Nachhaltigkeit und Basisdemokratie aufbaut. Damit wird die Gemeinwohl-Ökonomie zu einem betrieblichen Mechanismus der Veränderung auf wirtschaftlicher, politischer und gesellschaftlicher Ebene:

  • Auf wirtschaftlicher Ebene beruhen der Zweck des Wirtschaftens und die Bewertung des Unternehmenserfolgs auf der Umsetzung bestimmter am Gemeinwohl orientierter ethischer Werte.
  • Auf politischer Ebene will die Gemeinwohl-Ökonomie rechtliche Veränderung bewirken, wie z. B. besondere Steuererleichterungen für Unternehmen deren Wirtschaftsweise dem Gemeinwohl dient oder einer bevorzugten Berücksichtigung zertifizierter Unternehmen bei staatlichen und behördlichen Ausschreibungsverfahren.
  • Auf gesellschaftlicher Ebene ist die Gemeinwohl-Ökonomie eine Initiative zur Bewusstseinsbildung für einen Systemwandel, beruhend auf dem gemeinsamen, wertschätzenden, solidarischen Tun möglichst vieler Unternehmen: z. B. Bestandssicherung statt permanentem Wachstum, gemeinsames Handeln statt Konkurrenz.

Ein Unternehmen, das sich nach den Werten der Gemeinwohlökonomie zertifizieren lässt, bilanziert seine Umweltleistung mittels eines geprüften Managementsystems. Es beschreibt zusätzlich demokratische wie auch menschenwürdige Strukturen im Betrieb und veröffentlicht das Verhältnis der Einkommensstruktur zwischen Eigentümern, Geschäftsführern, Angestellten und allen weiteren Mitarbeitern.

Durch ein Punktesystem werden innerbetriebliche Standards wie

Menschenwürde, Solidarität, Gerechtigkeit, Ökologische Nachhaltigkeit, Transparenz, Mitentscheidung und Einkommensspreizung

bewertet. Diese Bewertung erfolgt durch unabhängige Gutachter. Ab einer bestimmten erreichten  Punktezahl erhält das Unternehmen ein Zertifikat. Die Zertifizierung ist auf zwei Jahre befristet und muss dann erneut validiert werden.

Im Unterschied zu ISO 14001/2015 und EMAS verlangt die Gemeinwohlökonomie zusätzlich, dass nicht nur die Umweltleistungen der jeweiligen Lieferanten und Dienstleister des Unternehmens durch Selbstauskunft eingefordert werden sondern ebenso auch entsprechende Nachweise zu den Werten Menschenwürde, Lohnstruktur, Solidarität, Transparenz und Mitentscheidung.

Ein Unternehmen der Gemeinwohl-Ökonomie wirtschaftet im besten Sinne nachhaltig,

da es nicht nur Umweltleistungen standardisiert sondern ebenso auf die Gemeinschaft orientiertes menschliches und unternehmerisches Handeln fördert.

Der Umwelt Index Druck (UmDEX) – Ein Instrument zur Entscheidungsfindung

Die vorangestellte Übersicht der gängigen Siegel und Labels der Druckbranche liefert Indizien für ökologische Bestrebungen einer Druckerei. Anzumerken ist aber,

dass jedes für sich allein noch nicht genug über wirkliche Umweltleistungen eines Unternehmens aussagt.

Erst die Summe der Siegel und Labels kann Aufschluss darüber geben, wie umfassend nachhaltig die Umweltleistung des jeweiligen Unternehmens ist. Weitere, nicht erwähnte Labels sind zum Beispiel DIN ISO 9001 (Qualitätsmanagement), DIN ISO 5001 (Energiemanagement), das Engagement oder die Mitgliedschaft bei der IPR – Initiative Pro Recyclingpapier und so weiter.

Weitere Umweltlabels für Druckereien

Weitere Labels. Der Text wird noch nachgereicht

Entscheidend ist dabei auch, wie verantwortungsbewusst die Mitarbeiter einer Druckerei die Umsetzung der zertifizierten Maßnahmen befolgen. Denn eines ist klar:

Ein Zertifikat ist nur so gut wie die Zertifizierenden und die Zertifizierten damit verfahren!

Daneben gibt es jedoch noch eine Vielzahl von umweltfreundlichen Leistungen, die nicht über Zertifikate oder Labels dargestellt werden können, wie z. B.

  • Alkoholfreies Drucken,
  • UV-loser Druckprozess,
  • Herstellung veganer Druckprodukte (in Kürze),
  • spezielle Maßnahmen zur Emissionsvermeidung,
  • umweltfreundliche, ressourcenschonende Gebäudeplanung und –Ausstattung,
  • umweltfreundliche Lieferlogistik.

Ebenso gehören ethische Indikatoren zu den nachhaltigen Leistungen eines Unternehmens, die selten über Zertifikate kommuniziert werden:

  • betriebliche Frauenquote,
  • soziales Engagement,
  • Biodiversität,
  • persönliches Engagement in regionalen Initiativen u. v. m.

Im UmDEX werden darum sämtliche diese nicht zertifizierten produktionsspezifischen und außerfachlichen Kompetenzen eines Unternehmens zusammen mit den branchenüblichen Zertifikaten, Siegeln und Labeln des Unternehmens mittels eines Punktesystems addiert und den Leistungen entsprechend gewichtet.

Das schafft Transparenz und erleichtert die Suche nach einer grünen, umweltfreundlichen, ökologischen und nachhaltigen Druckerei – und

der UmDEX hilft, die grüngewaschene Spreu vom grünen Weizen zu trennen.

UmDEX

Beschreibung der Bewertungskriterien und Gewichtungen des UmDEX. Kurze Hinweise oder direkte Vorstellung der einzelnen Kriterien. 

[500] Druckerei Lokay e. K. (SM)

Link zum Anbieter
Königsberger Str. 3
64354 Reinheim

 

 

Energie-, Umwelt- und Qualitätsmanagement:

         
125  Blauer Engel Standort, RAL UZ 195  
100  EMAS (Umweltmanagement)  
50 ÖKOPROFIT      
25 Prozessstandard Offset PSO  
         
 

Energieeffizienz:

   
         
10  Ökostrom      
25  Wärmerückgewinnung    
25 Energieeffiziente Beleuchtung  
         
 

Druckprozess, Verbrauchsmaterial, Sonstiges:

         
25 Alkoholfreier Druckprozess  
50 Chemie- und wasserlose Druckplatten  
25 > 50 % Einsatz von Bio-/Ökodruckfarben
         
 

Siegel, Label und Zertifikate:

 
         
10  FSC      
         
 

Mitgliedschaften, Soziales & Regionales  Engagement

         
10 Umweltallianz Hessen    
         
 

CO2-Kompensation/-Rechner

 
         
10 Klimaneutraler Standort,    
  vollständige Produktion kompensiert  
10 Go Green, DHL    
[460] DBM - Druckhaus Berlin Mitte GmbH

Link zum Anbieter
Wilhelm-Kabus-Straße 21-35
10829 Berlin

Energie-, Umwelt- und Qualitätsmanagement:

 100       EMAS (Umweltmanagement)
 125        Blauer Engel Standard RAL UZ 195

Energieeffizienz:

   10       Ökostrom

Druckprozess, Verbrauchsmaterial, Sonstiges:

   25       Saphira ECO-Produkte
   50       Alkoholfreier Druckprozess
   50       Chemie- und wasserlose Druckproduktion

Siegel, Label und Zertifikate:

   10       FSC

Mitgliedschaften, Soziales & Regionales  Engagement:

   25       Druckpartner Initiative Pro Recyclingpapier
   10       Green Brands Internation

CO2-Kompensation/-Rechner:

   10       Klimaneutral auf Kundenwunsch
   10       Go Greem-DHL

Eigenes Engagement, Label:

   20       Natürlich ohne UV

 

[455] oeding print GmbH

Link zum Anbieter
Erzbergstraße 45
38126 Braunschweig

Energie-, Umwelt- und Qualitätsmanagement:

 100        EMAS (Umweltmanagement)
   25        DIN ISO 9001 (Qualitätsmanagement)
   25         Prozessstandard Offset POS
   25        Prozessstandard Offset PSOaktiv
   50        Ökoprofit
 125        Blauer Engel Standort, RAL 195

Energieeffizienz:

   10       Ökostrom
   25       Wärmerückgewinnung

Druckprozess, Verbrauchsmaterial, Sonstiges:

   25       Saphira ECO-Produkte
   25       Über 50 % Einsatz von Bio-/Ökodruckfarben

Siegel, Label und Zertifikate:

   10       FSC
   10       PEFC

Mitgliedschaften, Soziales & Regionales  Engagement:

   10       Green Brands International

CO2-Kompensation/-Rechner:

   10       Klimaneutral auf Kundenwunsch

Eigenes Engagement, Label:

   10       Vegane Drucksachen

 

[390] Druckstudio GmbH

Link zum Anbieter
Professor-Oehler-Straße 10
40589 Düsseldorf

Energie-, Umwelt- und Qualitätsmanagement:

   75        DIN ISO 14001 Umweltmanagement
   25        DIN ISO 50001 (Energiemanagement)
   25        DIN ISO 9001 (Qualitätsmanagement)
   50        Ökoprofit
   25        Prozessstandard Offset PSO

Energieeffizienz:

   10       Ökostrom
   25       Wärmerückgewinnung
   25       Photovoltaik
   10       Energieeffiziente Beleuchtung
   25       Umweltfreundliche Mobilität

Druckprozess, Verbrauchsmaterial, Sonstiges:

   25       Saphira ECO-Produkte

Siegel, Label und Zertifikate:

  10       FSC

Mitgliedschaften, Soziales & Regionales  Engagement

   10       Unterstützung der Düsseldorfer Kindertafel e.V.
   10       Sterntaler Düsseldorf e.V. (Unterstützung hilfsb. Kinder)
   10       Unterstützung der dolphin aid e.V. (Delphintherapie für Kinder)
   10       Unterstützung des Düsseldorfer Kinderhospizes Regenbogenland

 

[390] Gründrucken GmbH

Link zum Anbieter
Am Bergwerkswald 20
35392 Gießen

Energie-, Umwelt- und Qualitätsmanagement:

 100        EMAS (Umweltmanagement)
 125        Blauer Engel Standort, RAL UZ 195

Energieeffizienz:

   10       Ökostrom

Druckprozess, Verbrauchsmaterial, Sonstiges:

   50       Alkoholfreier Druckprozess
   50       Chemie- und wasserlose Druckplattenproduktion
   25       Über 50 % Einsatz von Bio-/Ökodruckfarben

Siegel, Label und Zertifikate:

  10       FSC

CO2-Kompensation/-Rechner:

   20     Klimaneutral auf Kundenwunsch

 

[385] Prinzipia, Bonitasprint GmbH

Link zum Anbieter
Max-von-Laue-Straße 31
97080 Würzburg

Energie-, Umwelt- und Qualitätsmanagement:

 125        Blauer Engel Standort RAL UZ 195
   25        Prozessstandard Offset PSO

Energieeffizienz:

   10       Ökostrom
   25       Photovoltaik
   25       Umweltfreundliche Mobilität

Druckprozess, Verbrauchsmaterial, Sonstiges:

   50       Alkoholfreier Druckprozess
   50       Chemie- und wasserlose Druckplattenproduktion
   25       Über 50 % Einsatz von Bio-/Ökodruckfarben

Siegel, Label und Zertifikate:

  10       FSC
  10       PEFC

Mitgliedschaften, Soziales & Regionales  Engagement

   10       Green Brands International
   10       B.A.U.M.
   10       Umweltpakt Bayern
   10       Unterstützung des Düsseldorfer Kinderhospizes Regenbogenland

CO2-Kompensation/-Rechner

  20       Klimaneutral auf Kundenwunsch

 

[315] Buchdruckerei Lustenau GmbH

Link zum Anbieter
Millennium Pk. 10
6890 Lustenau, Österreich

Energie-, Umwelt- und Qualitätsmanagement:

   25        DIN ISO 50001 (Energiemanagement)
   25        Prozessstandard Offset PSO

Energieeffizienz:

   25       Wärme und Kühlung durch Energiepfähle
   25       Wärmerückgewinnung
   25       Umweltfreundliche Mobilität

Druckprozess, Verbrauchsmaterial, Sonstiges:

   50       Saphira ECO-Produkte
   25       Über 50 % Einsatz von Bio-/Ökodruckarben
   25       Über 50 % umweltfreundliche Lacke

Siegel, Label und Zertifikate:

  10       FSC
  10       PEFC
  10       EU-Ecoloabel

Mitgliedschaften, Soziales & Regionales  Engagement

  10       Österreichisches Umweltlabel
  10       Green Brands Award

CO2-Kompensation/-Rechner

  10       Klimaneutral auf Kundenwunsch

 

[295] PRINT POOL GmbH, Druckerei Taunusstein

Link zum Anbieter
Auf dem Kleinen Feld 15A
65232 Taunusstein

Energie-, Umwelt- und Qualitätsmanagement:

 125        Blauer Engel Standort RAL UZ 195

Energieeffizienz:

   10       Ökostrom

Druckprozess, Verbrauchsmaterial, Sonstiges:

   50      Alkoholfreier Druckprozess
   25       Über 50 % Einsatz von Bio-/Ökodruckfarben

Siegel, Label und Zertifikate:

  10       FSC

Mitgliedschaften, Soziales & Regionales  Engagement:

   25      Druckpartner Initiative Pro Recyclingpapier
   10      Green Brands Internation
   10      Umweltallianz Hessen

CO2-Kompensation/-Rechner:

   20       Klimaneutral auf Kundenwunsch
   10       Go Green DH

 

[295] Druckerei Janetschek GmbH

Link zum Anbieter
Brunfeldstraße 2
3860 Heidenreichstein, Österreich

Energie-, Umwelt- und Qualitätsmanagement:

 100       EMAS (Umweltmanagement)

Energieeffizienz:

   10       Ökostrom
   25       Photovoltaik

Druckprozess, Verbrauchsmaterial, Sonstiges:

Siegel, Label und Zertifikate:

  10       FSC
  10       PEFC

Mitgliedschaften, Soziales & Regionales  Engagement:

  10       Österreichisches Umweltlabel
  10       Österreichisches CSR-Label
  10       Respact

CO2-Kompensation/-Rechner:

  10       Klimaneutral auf Kundenwunsch

Eigenes Engagement, Label:

  50       Aktive Spenden für Humusaufbau-Projekt in der Landwirtschaft

 

Nur für den internen Gebrauch!

 

Dieser Beitrag ist nur für Emmpfänger erreichbar, die über diesen  Deep-Link verfügen.

Guido Rochus Schmidt

Guido Rochus Schmidt

Autor, Umweltexperte, Fachtexter

Guido Rochus Schmidt war von 1979 bis 2013 Geschäftsführer der Ulenspiegel Druck GmbH, einer der bis heute nachhaltigsten Medien- und Druckdienstleister, die bereits 1999 nach Verordnung der Europäischen Union mit EMAS zertifiziert wurden. Als Umweltexperte betreute er von 1999 bis 2017 die ökologische Fortentwicklung des Unternehmens.

Seit 2017 berät der Experte auch andere Unternehmen im Bereich Nachhaltige Medienproduktion. Daneben gibt der leidenschaftliche Bluesmusiker mit seiner Band Señor Blues Konzerte in Deutschland und Europa.