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Papa, wie geil ist das denn?

(Lesezeit: 11 Minuten)

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Vor jedem Event, sei es eine Roadshow, ein Symposium, Roundtable, Think-Tank, Briefing oder ein Business-Theater: Immer wird Großes in Aussicht gestellt – wie bei vermeintlich großen Filmen, die als Blockbuster angepriesen werden. Wie hieß denn noch dieser Film? Wo dieser Dings mitspielt, der auch schon in dem anderen Film mitgespielt hat – ääh, mit dem …?

Auch Messen kennen das. Schwierig, den Leuten immer wieder was Neues zu bieten und Bleibendes zu liefern. Alles gut organisiert, aber dieser gewisse Kick, der ist in dieser bunten schnellen Zeit immer schwerer zu erzeugen.

Das Team der Brancheninitiative CREATURA hat diesen Kick, den gewissen Glanz offensichtlich ganz anders gedacht. Die Roadshow „Großes Kino“ mit dem boostigen Untertitel „The Power of Print“ war anders. Die Idee stammt von der Geschäftsstellenleiterin des Fachverbandes Medienproduktioner e.V. Gaby Maaß, die kreative Seele hinter dem lebendigen Treiben des Verbandes.

Creatura führt durch die Welt großer Filme
in Form raffiniert veredelter Plakate

Schon diese Idee, hochveredelte, brillante, begreifbare und multisensorische Individualdrucksachen in Kinos verschiedener Städte zu verlagern und nicht in die üblichen Konferenzsäle, passte wie die Faust aufs Auge.

Beim regulären Kinobesuch geht’s mit Popcorn und einem halben Liter Coke unterm Arm in den heiligen Gral. Im Kinosaal freuen wir uns üblicherweise auf einen großen Film. Eine Handlung, die uns mitnimmt, uns alles andere vergessen lässt. Abschalten, Identifikation. Emotionen. Aufregung. Gute Filme hypnotisieren. Selten geworden.

Creatura ist natürlich kein Film. Trotzdem nicht weniger aufregend. Die Creatura-Roadshow wurde in Hamburg, Dortmund, Köln, Offenbach, München und Stuttgart veranstaltet. Was für ein Aufwand. Über 800 Gäste haben sich insgesamt angesprochen gefühlt.

Ausverkauft – schon Wochen vor dem Start in Hamburg

Die meisten Veranstaltungsorte waren schon nach wenigen Wochen vollständig ausgebucht. „Wir hätten noch viel mehr Gäste unterbringen können – wir mussten vielen Interessenten leider absagen“, erklärt Rüdiger Maaß, Geschäftsführer vom Fachverband Medienproduktioner e.V., fast schon ein wenig enttäuscht, nicht noch größer projektiert zu haben. Maaß hat die Fäden mit Hilfe seiner Partner fast ein Jahr lang gezogen, um das zu schaffen, was geboten wurde: Großes Kino. Im wahrsten Sinne des Wortes. Warum?

 Perfektes Entree im Foyer

Foyer Creatura Hamburg

Im Foyer vor dem Kinosaal stellten 15 Aussteller aus. Viele der Aussteller präsentierten während der Produktvorstellung von der Agentur Scholz & Friends kreierte Filmplakate und Produkte ihres Hauses. Bild: GPG

Beginn 15:00 Uhr. Vor dem Kinosaal haben die an der Initiative Creatura beteiligten Unternehmen ihre raffiniert veredelten, funktionalen und faszinierenden Exponate ausgestellt. Vorher sehen, was später auf großer Leinwand und begleitet durch kurzweilige Referate geboten wurde? Schon dieser Mehrwert ist gelungen.

Sehen, fühlen, hören und riechen – so fasst Creatura multisensorische Drucksachen unter dem einprägsamen Oberbegriff Sinn4 zusammen. Zu sehen waren raffiniert veredelte, funktionale, haptisch erlebbare und optisch genial produzierte Individualdrucksachen – echte Responsebringer.

Relief-Struktur und Glanzlack, Hybrid-Effektlack, Duftendes, Stanzungen, Fein- und Blindprägungen, Lentikular, hochgerade filigran gelaserte Prints, Nachleuchtfarbe, mit Prägefolie Gedrucktes, Prints mit transparenten Folien, Beflockung, funktionale Drucksachen mit eingearbeiteten Interaktionsmöglichkeiten für die Empfänger, mit Rubbelfeldern, komplex eingearbeiteten Perforationen, auf formgestanzten Feinpapieren und Kartonagen und so weiter. Multifunktionale und multisensorische Drucksachen also.

Mehr sensorische Signale = bessere Responses

Trockene Theorie und technisches Kauderwelsch, wenn es darum geht, solche multifunktionalen, sensorischen Drucksachen perfekt zu erzeugen. Schließlich entstehen aber sehr emotionale Medien, die gleich so viele verschiedene Sinne beim Empfänger ansprechen und somit, neurologisch und wissenschaftlich längst geklärt, ein emotionales Feuerwerk beim Empfänger auslösen. Das haben wir begriffen.

Mit jedem zusätzlich aktivierten Sinn zünden 1.000 Prozent mehr Neuronen in unseren Köpfen. Wissenschaftler nennen diesen Effekt „multisensorische Verstärkung“, so schon auf dem hochveredelten 2-bruch-gefalzten DIN-A4-Folder zu lesen, der zusätzlich mit Popcorn-Duft und weiteren Effekten veredelt wurde. Mit jedem Sinn verdoppelt sich das Erlebnis beim Adressaten. Klar hat das massiv positive Auswirkung auf die Responsequote.

Mehr als 200 Gäste waren in die Hansestadt Hamburg gekommen. Einige Gäste fanden nur noch auf den Treppen des Kinosaals Platz. Individualdruck: Ein echter Trend, den die meisten noch gar nicht erkannt haben. Im aktuellen Fachmagazin zeigen wir konkret Studien, Praxisbeispiele, wissenschaftliche Erkenntnisse und weitere Fakten, die die Bedeutung von Individualdruck unterstreichen und natürlich noch mehr von Creatura.

Die Vortragsreihe

Rüdiger Maaß, Fachverband Medienproduktioner

Rüdiger Maaß, Geschäftsführer beim Fachverband Medienproduktioner e.V. hat viel Zeit und Organisationstalent in die Vorbereitung der Creatura-Roadshow gesteckt. So gelang dem Verband ein Event, den seine landesweit über 800 Besucher nicht vergessen werden. Mit diesem Event hat sich der Verband einmal mehr selber überholt. Bild: f:mp.

Das gleich vorweg: Wie bei einem guten Film, muss man ihn gesehen haben, um den besonderen Reiz aufzusaugen.

Falls Sie keine Karten mehr erwischt haben, bekommen Sie nachfolgend einen guten Eindruck. Falls doch, verraten wir nicht zu viel und Ihr Besuch der 2018er-Reihe wird sich auf jeden Fall lohnen – das ist sicher. Wir können nicht alles wiedergeben und konzentrieren uns auf den roten Faden „Großes Kino“.

Rüdiger Maaß war der Richtige, um den Event pünktlich um 16:00 Uhr zu eröffnen und die Gäste zu begrüßen sowie Timeline, Idee und die Speaker vorzustellen. Er kann stolz sein darauf, dass er hier mit derart viel Ehrgeiz mehr wollte als das Normale, denn es ist ihm gelungen.

Olaf Hartmann, Geschäftsführer der Touchmore GmbH und Buchautor, moderierte sodann durch den Nachmittag. Wer mich kennt, weiß, dass ich immer für ein offenes Wort stehe. Gibt es was zu kritisieren, ist Contenance noch nie mein Ding gewesen.

Olaf Hartmann

Buchautor (Touch) und Geschäftsführer der Touchmore GmbH, Olaf Hartmann, moderierte brillant durch die Veranstaltung. Bild: Touchmore GmbH

Doch auch Hartmann führte derart souverän durch den Tag, dass es sich fast wie auf einer Oscarverleihung angefühlt hat: Engagiert, begeisternd, fachkundig und überzeugend. Erlebenswert.

Eine ziemlich schlaue Konstruktion, der Homo sapiens.

Elektrisierend auch sein Entree. Wer emotionales Druckwerk, also Individualdruck verkaufen will, muss nicht nur überzeugt sein, sondern überzeugen können. Hartmanns Buch „Touch“, das im Haufe-Verlag erschienen ist, beschreibt die Bedeutung der Haptik für den Menschen anhand von spannend aufbereiteten Forschungsergebnissen aus Psychologie und Verhaltensökonomie.

Anhand vieler Praxisbeispiele erklärt Hartmann gemeinsam mit dem Autor Sebastian Haupt, wie stark die Haptik unsere Wahrnehmung und Erinnerung von Werbung stimuliert und die Kaufbereitschaft steigert.

Sehen, Hören, Fühlen, Schmecken, Riechen.

„Eine ziemlich schlaue, erfolgreiche Konstruktion, der Homo sapiens. Ziemlich erfolgreich ist, wer diese Konstruktion ernst nimmt.

Wer etwa seine Markenkommunikation nicht auf optische und akustische Signale reduziert. Kann ich einer Botschaft glauben, die ich nur sehe? Nur höre? Hmm? Eine Botschaft jedoch, die ich in der Hand habe, die ich fühlen kann, ist Realität. Wahr. Haptische Kommunikation ist unschlagbar. Nutzen Sie dieses Phänomen? Es ist einfacher, als Sie vielleicht denken“, inspiriert Hartmann.

Creatura-Event-Hamburg

Langsam füllt sich der Kinosaal. Schließlich war jeder Platz besetzt und einige Gäste, die auf gut Glück angereist waren, nahmen auf den Treppenstufen Platz. Bild: GPG

Filme, die wir lieben

Wohl überlegt auch der rote Faden des Programms. Was passt besser zum Motto als die Präsentation von veredelten Kinoplakaten. Großes Kino, große Filme:

  • AMERICAN BEAUTY,
  • BLACK SWAN,
  • THE FAST & THE FURIOUS,
  • FIGHT CLUB, so auch
  • FORREST GUMP,
  • DER HERR DER RINGE,
  • SPIDERMAN oder
  • DER WEISSE HAI.

Großes Kino? Großes Kino!

Ausreichend Genres für Medien-Architekten, die kreative Architektur können, anstatt sich nur auf schnödes Grafikdesign zu beschränken. Sandra Bock und Dennis Paul von der Topagentur Scholz & Friends aus Hamburg nutzen die Gelegenheit für ein Best-of ihrer Kreationen von Kinoplakaten.

Beispielsweise beim Kinoplakat für DER WEISSE HAI: Der Auszug aus dem Filmzitat „We’re gonna need a bigger boat“ (während der Jagd auf den weißen Hai) wird durch Lentikular-Effekte erst aus verschiedenen Blickwinkeln auf das Plakat sichtbar. Plötzlich, beim Ändern des Betrachtungswinkels, schäumt das Meer auf und die Buchstaben bilden sich aus den Schaumkronen auf der Wasseroberfläche.

Veredeltes Kinoplakat Der weisse Hai

DER WEISSE HAI: Verschiedene Schriftzüge werden mit Hilfe des Lentikular-Effektes erst aus verschiedenen Blickwinkeln sichtbar. Bild: Creatura

Fantasie und Realität, Vogt Foliendruck GmbH

Doch was wäre die Idee auf dem Reißbrett, die zwar der Anfang von allem ist, wenn sich solch Gedankenwelten nicht auch technisch machen ließen? Holger Vogt, Geschäftsführender Gesellschafter der Vogt Foliendruck GmbH, hat gezeigt, dass den gestalterischen Fantasien technisch im Grunde kaum Grenzen gesetzt sind. Das vielfach ausgezeichnete Unternehmen lässt multisensorische Ideen auf dem Reißbrett haptisch und real wahr werden.

Holger Vogt

Holger Vogt, Geschäftsführer der Vogt Foliendruck GmbH erklärte den Gästen die besonderen Effekte und Technologien, die notwendig waren, um die besonderen Effekte für das Plakat DER WEISSE HAI zu erzeugen. Bild: Vogt Foliendruck GmbH

Wenn Maschinen Gefühle erzeugen

Effekte wie beim Kinoplakat für DER WEISSE HAI zählen zum Produktionsspektrum der Experten für Folienprodukte aus Hessisch Lichtenau. Ob im UV-Offsetdruck-, Siebdruck-, oder Digitaldruckverfahren oder durch verschiedenste Weiterverarbeitungsmöglichkeiten wie verschiedene Stanzen für Label und konturgestanzte Werbemittel, Heißbiegegeräte, mehrere Schneidemaschinen, Hochfrequenz-Schweißmaschinen, eine vollautomatische Verpackungsstraße, verschiedene Bohrmaschinen oder Hubstanzen und Kaschieranlagen lassen sich solche Effekte erzeugen.

Mehr noch: Für den Film FIGHT CLUB diente eine bestimmte Veredelungstechnik dabei nicht nur der optischen Aufwertung, sondern erzeugte selbst real blutige haptische Erlebnisse. Das Verwischen des Blutes unter der Nase eines der Protagonisten lässt die Betrachter tief in die Szene eintauchen.

Der Strukturlack auf dem Klebeband, ja sogar das Ertasten der Barthaare geben plastische Authentizität. Natürlich: Solche Plakate wirken und tragen einen erheblichen Teil zum Filmerfolg bei.

Veredeltes Kinoplakat Fight Club

Das erstellte Plakat für den Film FIGHT CLUB weist gleich mehrere haptische Besonderheiten auf. Das Blut unter der Nase lässt sich verwischen. Das Klebeband wurde mit Strukturlack bearbeitet und selbst die Barthaare lassen sich ertasten. Bild: Creatura

Heidenreich zieht die Fäden

Tiefe Authentizität auch beim Plakat von SPIDERMAN: „Die typischen Spinnenfäden nutzen wir für die Typografie des Motivs. Die einzelnen Fäden des Spinnennetzes werden dabei durch Relieflack hervorgehoben und lassen das Motiv plastischer erscheinen“, so die Designer von Scholz & Friends.

Spiderman-Plakat

SPIDERMAN: Typisch für den Film sind die Spinnenfäden, die sich auf dem Plakat durch besondere Lackeffekte und Relieflack ertasten lassen. Bild: GPG

Der Geschäftsführer der Heidenreich Print GmbH aus Bünde, Hendrik Heidenreich, zeigte den Gästen, was drucktechnisch nötig war, um solche plastischen Effekte real umzusetzen.

Sven Heidenreich

Hendrik Heidenreich, Mitgeschäftsführer der Heidenreich Print GmbH erklärte den Einsatz und die Produktionsschritte, die erforderlich waren, um die besonderen Effekte für die Kinoplakate von SPIDERMAN und THE FAST & THE FURIOUS zu erstellen. Bild: Heidenreich Print GmbH. Bildquelle: Creatura.

Das Unternehmen hat sich u. a. auf verschiedenste Lackveredelungen spezialisiert. Ob mit Öldrucklack, Dispersions-, UV-, oder Iriodinlacken, Lacken für Perleffekte, Hybridlack, Softtouch-, Duft-, oder Antirutschlacken, Lackveredelungen im Siebdruckverfahren für Relieflack oder Drip-off- Lack: Viele Drucksachen, die die Veredelungsschiede verlassen, sind gewaltig performant, da optisch präsent, begreif- oder sogar riechbar.

Gib Gummi

Für den Blockbuster THE FAST & THE FURIOUS präsentierte Heidenreich den bekannten Filmsatz „Fahr oder stirb“, der auf einem asphaltierten Hintergrund abgebildet ist. Die Typografie erinnert an Bremsspuren. Die Plakatgestaltung fokussiert auf die zwei Hauptelemente Asphalt und Gummi.

Heidenreich erzielt bei der Produktion der Scholz & Friends-Kreation zwei verschiedene haptische Wirkungen: Der Asphaltlack mit einer rauen, harten Oberfläche lässt den Asphalt ertasten und ein Gummilack simuliert den Reifenabrieb darauf. Perfekt!

Veredeltes Kinoplakat Fahr oder stirb

„Fahr oder stirb,“ so lautet ein bekannter Filmsatz. Heidenreich Print lässt sowohl den Asphalt als auch die Gummieffekte begreifbar werden. Bild: Creatura

Nach der Pause noch mehr Emotionen