Das nervt SEO-Agenturen: Apple schränkt Cookie-Tracking ein

von | 2019, Mai | Digitalisierung

Das Tracking von Browserdaten durch sog. Cookies gilt als Grundlage für das Targeting bzw. Microtargeting. Bislang galten diese Daten als heiliger Gral des digitalen Marketings. Der Apple-Browser Safari reduziert die Speicherzeit solcher Daten jetzt auf nur 7 Tage.  

Apple wird die Tracking-Funktion seines Browser Safari massiv einschränken, in dem sämtliche Userdaten browserseits automatisch nach schon 7 Tagen gelöscht werden. Eine Einzelaktion? Wohl kaum: Firefox hat bereits angekündigt, das Sammeln von User-Daten über seinen Webbrowser ähnlich restriktiv zu beschränken.

Daten von Internetnutzern, z. B. über ihr Verhalten beim Surfen durchs Internet zu sammeln, gilt bisher als die Kerndisziplin von Agenturen für Onlinemarketing bzw. SEO-Agenturen. Jeder Benutzer, der sich im Internet bewegt, hinterlässt dabei Daten. Diese sogenannten Cookies werden automatisch von den jeweiligen Browsern wie Chrome, Edge, Firefox oder eben Safari gespeichert: Von wo kam der Besucher, welche Websites hat er angeklickt, wie lange blieb der User auf einer Website und viele weitere Daten werden anhand dieser Fußspur vor allem von Marketingagenturen ausgelesen.

Diese Daten werden sodann vor allem auch für das Targeting verwendet, für eine genauere Zielgruppenansprache, basierend auf den Vorlieben der Websitebesucher. Spätestens seit der DSGVO-Verordnung, die wohl kaum einer in ihrem gesamten Umfang überblicken kann, werden wohl auch Konzerne wie Apple nervös, was die Bereitstellung solcher Daten betrifft und setzen lieber auf den Schutz ihrer Nutzer.

Bisher haben Browser wie der Safari-Browser von Apple zugelassen, dass SEO- und Marketingagenturen quasi unbegrenzt auf solche User-Daten zugreifen konnten, solange die Internetnutzer nicht selbst ihre Daten über die jeweiligen Browsereinstellungen gelöscht haben.

Ein Ende mit Schrecken

Apple hat mit einer Betaversion des Safari-Browsers das Ende dieser weitreichenden Funktionen eingeleitet.

Unter der Bezeichnung „Intelligent Tracking Prevention“, kurz ITP,

werden Cookies nun grundsätzlich nach 7 Tagen gelöscht.

Die Marketingwelt schreit auf, denn ebendiese Messbarkeit von Userdaten war bislang  gegenüber anderen, klassischen Marketing-Medien wie Print ein elementarer Vorteil. Gerade auch in Bezug auf die konkrete Erfolgsmessung.

Wenn wir zum Beispiel von hier aus einen Sponsored-Link auf die Landingpage eines Kunden setzen, so wird zwar der Klick getrackt. Wenn sich der User aber erst nach 15 oder 20 Tagen entscheidet, beim verlinkten Unternehmen zu kaufen, lässt sich die Quelle nicht mehr oder nur noch mit erheblichem Aufwand identifizieren.

Seit Inkrafttreten der DSGVO müssen Unternehmen ohnehin die Einwilligung für das Setzen eines Marketing-Cookies bei den Usern einholen, soweit dieses Sammeln nicht für die unmittelbare Ausführung der Webseite erforderlich ist. Wie weit das genau geht, darüber streiten selbst die Gelehrten. Es scheint, als würden viele einiges wissen und keiner wirklich alles.

Eine herber Rückschlag für SEO- und Digital-Business-Agenturen

Jedoch geht Apple mit seinem Safari-Browser einen erheblichen Schritt weiter und löscht jetzt auch solche Cookies, die durch Zustimmung der User getrackt wurden.

Da auch Firefox bereits ähnliche Maßnahmen angekündigt hat, ist es aus Sicht vieler Experten nur noch eine Frage der Zeit, bis sich diese Automation als Standard durchsetzen wird.

Damit verliert die E-Commerce-Branche eines ihrer argumentativen Flaggschiffe, besonders gegenüber klassischen Medien wie Print.

Tatsächlich wird der Erfolg bei der Suchmaschinenwerbung (SEA) häufig daran festgemacht, welchen Umsatz ein User innerhalb von 30 Tagen erwirtschaftet, sobald er eine Suchanzeige geklickt hat. So auch im Display Marketing oder bei Affiliate-Kanälen.

Unternehmen bleiben einfach uninformiert

Die betroffenen Agenturen spielen das Drama nach außen herunter und zeigen sich cool. Was bleibt ihnen auch anderes übrig? Ohnehin können sie sich nach wie vor auf breiter Linie darauf verlassen, dass vielen Auftraggebern (werbenden Unternehmen) die Kenntnisse fehlen, um die Folgen konkret abzuschätzen. Leider nichts Neues.

Viele Unternehmen wollen, sehr salopp formuliert, einfach was Digitales im Marketing machen und dafür werden wohl leider auch morgen noch Sichtbarkeitstabellen und bunte Balkendiagramme im Umfeld der allgemeinen digitalen Euphorie genügen, um Kunden für digitale Push-Werbung bei Laune zu halten. Beide Seiten tragen ihren Teil der Verantwortung, wenn Budgets in Folge dessen versickern. Unternehmen sollten sich eigenes Know-how aneignen, um digitales Marketing auf Augenhöhe mit Agenturen zu planen.

Print goes Digital

Print holt durch multisensorischen Eigenschaften auf, die immer wieder auch auf Veranstaltungen wie z. B. der CREATURA thematisiert werden. Gerade in Verbindung mit neuen, flexibleren und intelligenten Schnittstellen zu digitalen Marketingsystemen. Digitale Druckverfahren ermöglichen mittlerweile eine hoch personalisierte Printproduktion, selbst bei Großauflagen. Die Tiefe der Individualisierung kennt dabei kaum noch Grenzen. Quasi jedem Adressaten können mittlerweile sehr individuell formatierte oder inhaltlich zusammengesetzte Unikate zugestellt werden, ungeachtet der Gesamtauflage.

Hier verschmilzt das Thema Smart-Data mit Digitaldruck und verschiedenen Marketingautomationen und bietet völlig neue Möglichkeiten, die allerdings von den Akteuren erst noch verstanden werden wollen. Agenturen, die sich nach außen modern geben, sind teils noch im Zeitalter eines Digital-Business unterwegs, wie es vor zehn Jahren einmal funktionierte. Ob Apples Entscheidung daran etwas ändert?

Natürlich müssen auch bei analogen, gedruckten Marketingkampagnen erstens strenge Datenschutzregeln eingehalten werden und zweitens darf der Aufwand mit der Pflege von Daten, für Technologien, Schulungen, für Informatiker etc. nicht unterschätzt werden.

Künstliche Intelligenz bedeutet nicht, dass die Daten sich grundsätzlich von selbst generieren, sondern, dass mit möglichst vielen Kundendaten, sehr spezielle Segmentierungen (Targeting, Microtargeting) möglich werden. Ein Verfahren, das dem Prinzip des Onlinetrackings schon sehr ähnlich ist.

Ein epochaler Wandel im Onlinemarketing?

Bislang sind die Auswirkungen auf den Apple-Vorstoß noch überschaubar. Der Browser hat einen Marktanteil von gerade mal 7 Prozent. Außerdem werden Daten wenigstens noch für eine Woche getrackt. Wenn aber Firefox, Microsoft mit Edge und Google mit seinem Chrome-Browser nachziehen, kommt dies ohne Übertreibung einem epochalen Wandel im Onlinemarketing gleich.

Einige technisch versierte SEO- und Digitalagenturen engagieren sich mit viel Leidenschaft um das letzte Zehntel einer Sekunde bei den Ladezeiten von Websites. Solche homöopathischen Änderungen werden immer wieder als absolut entscheidend bezeichnet. Wir halten das für einen recht übertriebenen Sportsgeist. Für Agenturen, die so penibel agieren, müsste Apples Entscheidung jedenfalls wie ein schwerer Erdrutsch wirken.

MM-Redaktion

MM-Redaktion

Freie Autoren, Texter und Experten

Unser Magazin ist keine eilige Tagesredaktion – die meisten Beiträge sind für Monate oder Jahre aktuell. Wir verbinden die Themen Inhalte (Content) und die dafür immer, ausnahmslos erforderlichen Medien in all ihren digitale und analogen Formen und Formaten.

Wir liefern andere Perspektiven. Inhalte, die am ehesten mit einem Buch über Content-Marketing (Inhalte und Medien) vergleichbar sind. Auch bestehende Beiträge werden aktualisiert oder mit anderen, neueren Beiträgen verlinkt.

0 Kommentare

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Fokus:

Das verbindet Kanada, Paraguay und Braunschweig

Das verbindet Kanada, Paraguay und Braunschweig

Nachhaltigkeit geht weit über konkreten Umweltschutz hinaus und kombiniert ökologische, wirtschaftliche und soziale Belange. Der Green Horizons Award wird von...
Weiterlesen

Beliebte Beiträge:

Stirb langsam: Die Lage der Kultur- und Kreativbranche

Stirb langsam: Die Lage der Kultur- und Kreativbranche

Verbände und Dachorganisationen für Kreative und Designer schlagen Alarm. Ein Großteil der Branche wird sterben, wenn nicht sofort etwas passiert....
Weiterlesen
Vegan-Label jetzt auch für Drucksachen

Vegan-Label jetzt auch für Drucksachen

In vielen Produkten des täglichen Bedarfs finden sich tierische Produkte aus der Massentierhaltung. Immer mehr Konsumenten verzichten darauf und suchen...
Weiterlesen

Schreiben Sie uns:

Metaanalyse „The Power of Print“

Ich hab‘ da so`n Gefühl

Ich hab‘ da so`n Gefühl

Digital oder doch mit Print werben? Print war bisher häufig „nur“ gefühlt erfolgreicher im Marketing. Die Metaanalyse THE POWER OF...
Weiterlesen

Content Marketing:

Instagram-TV für kleine und mittelständische Unternehmen

Für viele Unternehmen sind soziale Medien immer noch Spielerei oder die damit verbundenen Aufgaben erscheinen...
Weiterlesen
Instagram-TV für kleine und mittelständische Unternehmen

Personal Branding: Die Macht der Persönlichkeit!

Auf einen Vortrag vor mehreren Hundert Menschen würden wir uns gründlich vorbereiten. Ein großes Auditorium...
Weiterlesen
Personal Branding: Die Macht der Persönlichkeit!

10 Mythen im Content-Marketing

Es gibt Mythen im Content-Marketing, die sich hartnäckig halten und dem Erfolg im Wege stehen....
Weiterlesen
10 Mythen im Content-Marketing

Der neue Sinn nach Sinn im Marketing

Ein Trend ist gekommen, um zu bleiben: Der Begriff Purpose steht im Marketing für den...
Weiterlesen
Der neue Sinn nach Sinn im Marketing

Was unterscheidet Blogger, Influencer, Journalisten, Redakteure und Autoren?

Im Zeitalter der Kommunikation kamen vor etwa 15 Jahren neben den altbekannten Begriffen wie Journalist,...
Weiterlesen
Was unterscheidet Blogger, Influencer, Journalisten, Redakteure und Autoren?

Influencer 2020: Mega, Macro? Micro, Nano!

Das Wort Influencer ist für mich das Unwort des Jahrzehnts, auch, wenn die Metapher passt:...
Weiterlesen
Influencer 2020: Mega, Macro? Micro, Nano!

Storytelling:

Danke, Weihnachts*mensch

Weihnachten 2019 ist schon wieder Geschichte, aber die unendlichste aller...
Beitrag lesen ...
Danke, Weihnachts*mensch

Individuelle Medien sind kein Privileg

Warum gibt es immer weniger Kreativagenturen, die tatsächlich noch kreativ...
Beitrag lesen ...
Individuelle Medien sind kein Privileg

„Es ist doch fast schon magisch …“

Warum gibt es immer weniger Kreativagenturen, die tatsächlich noch kreativ...
Beitrag lesen ...
„Es ist doch fast schon magisch …“

Haptische Medien:

Individuelle Medien sind kein Privileg

Warum gibt es immer weniger Kreativagenturen, die tatsächlich noch kreativ sind? Warum werden statt echter Kreativität immer öfters digitale Marketingautomationen...
Weiterlesen
Individuelle Medien sind kein Privileg

Wetten … dass? Die Los-Wette

„Wetten, dass wir mehr als 20 Prozent schaffen?“ Über eine Agentur, die ihrem Kunden eine Wette um die Rücklaufquote bei...
Weiterlesen
Wetten … dass? Die Los-Wette

Magnetisch, magisch, multifunktional

Nirgends sonst kommuniziert Design im Marketing so nahe am potenziellen Konsumenten und am Kauf wie durch Verpackungen am Point of...
Weiterlesen
Magnetisch, magisch, multifunktional

Einfach zweifach: Innovative Zwillingsbox von Achilles

Kann eine Verpackung kommunizieren? Ja! Zwar nicht so umfassend, wie ein Fachbeitrag oder ein Tutorial, aber wie heißt es so...
Weiterlesen
Einfach zweifach: Innovative Zwillingsbox von Achilles

Newsletter:

Social Media:

Neuromarketing

Medien streicheln an der Elbe? Last-Minute!

Medien streicheln an der Elbe? Last-Minute!

Die Brancheninitiative Creatura bietet Marketers,...
Weiterlesen
Ich hab‘ da so`n Gefühl

Ich hab‘ da so`n Gefühl

Digital oder doch mit Print...
Weiterlesen
Neuromarketing: Der unlogische Konsument (Teil 6/6)

Neuromarketing: Der unlogische Konsument (Teil 6/6)

Weiterlesen
Neuromarketing: Der unlogische Konsument (Teil 5/6)

Neuromarketing: Der unlogische Konsument (Teil 5/6)

Wer nach Informationen sucht, die...
Weiterlesen